Erst kürzlich ging wieder ein Bericht durch das Fernsehen. Mal wieder von Rainer Fromm. Mal wieder war es eindeutig gegen eine gewisse Art von Spielen gerichtet. Gegen Spiele, welche Gewalt enthalten. Wie Kinder Spaß am Morden finden der Titel des Beitrags. Der Beitrag hatte sogar im Radio folgen, wo San Andreas vorgeworfen wurde, allein daraus zu bestehen, alte Frauen zu töten. Und gewisse Politiker setzen sich nun noch stärker für ein Verbot von Spielen ein und leiten nötige Schritte ein. Klingt dramatisch? Ist es nicht.
Ein Blick in die Zukunft
Der Kleinkrieg, welcher sich zwischen Fromm und den Spielern bzw. zwischen der Politik und den Spielern angebahnt hat, mag für viele essenziell sein, doch betrachtet man ihn von außen, so wird die absolute Nichtigkeit sichtbar. Nichtigkeit? In der Tat. Nichtigkeit. Der Titel dieses Artikels ist eine Frage. Wann werden Spiele akzeptiert? Die Antwort ist einfach: In der Zukunft. Und zwar in keiner fernen Zukunft. Nein. In unserer Zukunft. Und genau vor der haben viele Kritiker Angst. Darum versuchen sie heute der Sache entgegenzuwirken. Das ist alles nichts weiter als ein einfacher Generationskonflikt.
Sehen wir es doch mal von dieser Seite: Wie alt ist der durchschnittliche Spieler? Vermutlich nicht alt genug, um im Bundestag zu sitzen. Die Mehrheit der Spieler ist noch nicht mal 18 Jahre alt. Werfen wir also den Blick in die Zukunft.
Wir schreiben nun das Jahr 2030. Der Ölpreis liegt bei unbezahlbaren 20€ pro Liter, denn die Ölvorkommen sind knapp – dafür gibt es aber auch Autos, welche mit Wasser fahren können. Die Menschheit lebt immer noch nicht im Frieden, doch die Welt ist ein bisschen unterhaltsamer geworden. Den Spielen sei Dank. Was damals noch undenkbar war, ist heute Wirklichkeit: Bundestag und Bundesrat sind mit Spielern gefüllt. Menschen, die mit San Andreas, Doom 3 und Kane & Lynch aufgewachsen sind. Die jeden Goblin in Dark Messiah getötet haben und die ganze Welten in Civilization IV erobert haben – und zwar nicht auf die friedliche Tour.
Videospiele wurden endlich als Kunst anerkannt, genauso wie es Filmen schon vor langer, langer Zeit erging. Das Europarecht hat sich endlich etabliert und die USK ist nur noch eine weitere Prüfstelle von vielen. Die Entwickler / Publisher dürfen selbst entscheiden, von welcher Prüfstelle sie ihr Spiel testen lassen. Ein Spiel, welches in England geprüft wurde, muss zum gleichen Alter auch in Deutschland erhältlich sein. Die meisten Länder haben „Spielen“ als Sportart anerkannt – mit Ausnahme des kompletten Golfs, der leider nicht mehr existiert, da Amerika in jedes sich dort befindliche Land einmarschiert ist. Wer will, der kann im Fernsehen die aktuellen Multiplayermatches von Duke Nukem Forever mitverfolgen und sehen wie sich die weltbesten Spieler um Pokale ballern. Oder er schaut sich unterwegs per Mobileinternet das WM-Finale von Starcraft 3 an.
"Gamers are everywhere and they're everyone. They are your friends, neighbors, co-workers, relatives, and kids, they lead responsible and caring lives, balancing their enjoyment of interactive entertainment with many other activities important to a well-rounded lifestyle." - Douglas Lowenstein, ESA
Zurück in die Gegenwart
Kaum zu glauben? Ja, vermutlich. Doch es ist wahr: Irgendwann ist genau der Zeitpunkt gekommen, an dem jeder, der etwas in Deutschland zu sagen hat, mit den sogenannten „Killerspielen“ aufgewachsen ist. Und was dann? Dann sind solche Leute wie Fromm vielleicht vergessen. Vielleicht wird es neue Gegenbewegungen geben, doch es wird mit Sicherheit keine geplanten Verbote geben. Und sollte es bis zu diesem Zeitpunkt doch solche Verbote geben, so wird die Generation der Spieler mit Sicherheit abschaffen.
Bisweilen haben Singapur und Südkorea Videospiele als Sport anerkannt, doch es lässt sich erahnen, dass in naher Zukunft weitere Länder dem Beispiel folgen werden.
Daran nicht zu letzt Schuld könnte der Fernsehsender Prize Fight sein, welcher Spielen professionell machen möchte, mit Ligen, Übertragungen und Preisgeldern. Es ist nicht das erste Projekt, doch vielleicht eines der ambitioniertesten in dieser Richtung. Die Zukunft wird es zeigen.
Und auch die Sache mit der USK ist nicht abwegig, denn derzeit prüft die EU ob die USK in Europa überhaupt existieren darf. Besser gesagt: Die USK darf es schon geben, doch die Indizierung eigentlich nicht – gerade im Bezug auf Originalspiele (also keine deutsche Fassung), denn die sind, sofern nicht USK geprüft, in Deutschland indiziert. Und das kommt einem Handelsverbot fast gleich, doch in Europa besteht ein Recht auf freien Handel. Und schon droht ein Dilemma. Folglich könnte die Zukunft tatsächlich so aussehen, dass jede Prüfstelle, egal ob in Frankreich, Deutschland oder England, europaweit gültig sein wird.
Und nun?
Betrachten wir also noch mal den kleinen Krieg: Ist es wirklich so schlimm, dass Leute wie Fromm über Spiele herziehen? Ist es am Ende nicht doch ihre Angst vor der Zukunft, dass sie selbst nicht mehr modern sein werden? Wen interessiert das schon? Die nächste Generation steckt schon in den Startlöchern. Die Zukunft kommt. Unaufhaltsam.
Und wer weiß: Wäre die Zukunft schon heute, vielleicht wäre der Werbeslogan „Du bist Deutschland“ mit dem offiziellen Spiel zum Motto gleichzeitig erschienen. Entwickelt von der Bundesregierung...