Rome Total War
Bringen Sie folgende Begriffe in einen Zusammenhang: Schildkröte, Barbaren, Kleopatra und Phillosophie. Richtig, wir sind im alten Rom. Und das beste: Es gibt keinen Zaubertrank. Rome –Total War lädt zur genussvollen Gallierhatz.
Mit totalem Krieg haben wir Deutschen nicht die besten Erfahrungen gemacht. Mit diesem wird alles anders. Der ist sogar politisch unbedenklich, findet er doch gute 2000 Jahre vorher statt. In Rome – Total War setzt der Spieler alles daran, das römische Reich zur Weltmacht zu fördern.
Rome ist bereits der dritte Teil der Total War-Reihe, nach Abstechern nach Japan zu den Samurai und ins Mittelalter haben sich die Entwickler des „Creative Assembly“ nun eine Epoche vorgenommen, die nicht erst seit Asterix die Zielgruppe fasziniert. Und just dieser Titel flatterte vergangenen Samstag per Post ins Haus – auch wenn die Total War Reihe totales Neuland ist, machten Verpackung und Handbuch Lust auf mehr, und da steh ich nun, im Haus der Julier, 330 v. Christus und darf den Wegbereiter für den prominentesten Abkömmling und Liebhaber schöner Ägypterinnen spielen: Das römische Reich muss geeint werden, griechische Kolonien auf dem italienischen Festland werden heim ins Reich geholt und schließlich warten jenseits der Alpen und im Norden Afrikas sowie im nahen Osten auch Reichtümer, Gegner, Ruhm und Ehre. Schließlich sieht der Thron des Imperators auch bequem aus….
Wie gesagt, Rome ist meine erste Begegnung mit der Total War-Reihe. Wenn man sich so das Cover anschaut, fragt man sich, warum eigentlich? Der Titel kommt als ein auf Massenschlachten basierender Hybrid zwischen den Blizzard-Titeln und der Civilization-Reihe daher und verspricht so eine ideale Mischung. Das Spielprinzip ist schnell erklärt: Als eine von drei römischen Familien geht das darum, das Familienwappen hochzuhalten und möglichst schnell die ganze Welt unterjocht zu haben. Denn schließlich wollen doch die ganzen Barbaren die römischen Errungenschaften nicht vermissen: Was wäre aus Gallien gewroden, wenn es dort keinen öffentlichen Bäder nur für Männer gegeben hätte? Vielleicht nicht unbedingt Frankreich...
Für Neulinge der Total War-Reihe haben die Entwickler den sogenannten Prolog integriert, ein Tutorial der Extraklasse. Während man den Stiefel eint erfährt man von Beratern alles Wissenswerte über das Spiel und hat genügend Zeit und Gelegenheit sich mit den Eigenheiten des Games vertraut zu machen.
Das Spiel selbst läuft zweigeteilt ab: Auf der Kampagnenkarte werden im besten Civilization-Stil Kommandos gegeben, Städte bebaut und Einheiten bewegt, dass selbst Sid Meier stolz sein würde. Wenig Action, viel Tiefgang. Eigentliches Highlight des Spiels ist aber der Schlachtenmodus in dem mehrere Tausend Einheiten aufeinander treffen – und alle bestehen aus Polygonen. Die Grafikengine schafft es, daraus auf Highend-Maschinen ein Kinoerlebnis zu machen - und selbst auf meiner Krücke ist das ganze noch in relativ schick spielbar.
Auf dem Feld der Ehre werden Reiter, Infanterie, Generäle und Katapulte nach bestem Stein-Schere-Papier-Prinzip bewegt: Speerträger sehen kein Land gegen Bogenschützen die wiederum von der Kavallerie aufgerieben werden. Die Berittenen machen nur höchst ungern Bekanntschaft mit den Speeren. Aber auch Schwertkämpfer, Streitwagen, Hopliten und Elefantenreiter reihen sich in das Prinzip ein. Wobei gerade die karthagischen Elite-Einheiten durch einen ersten Patch beschnitten werden mussten.
Wem das zuviel Gewusel ist, der kann die Schlacht auch automatisch austragen lassen – wenn der Sid das wüsste. Friedfertige Naturen werden verschreckt werden, da je nachdem ob die lange oder die kurze Kampagne gewählt wurde, 15 bzw 50 Provinzen unterjocht werden wollen. Futter genug für die langsam länger werdenden Herbst- und Winterabende enthält die Packung also allemal. Selbst für die kurze Kampagne bedarf es also der Einnahme von Spanien und ganz Gallien – ganz ohne unbesiegbare Dörfchen im Norden.
Die Feldzüge können mit epischen Massenschlachten überzeugen, in denen nicht nur die Luft brennt: Die Einheiten können auch Brandpfeile verschießen. Barmherzige Feldherren besetzen die Siedlungen, böse Spieler können das Dorf auch auslöschen oder die Bevölkerung versklaven und zur Hälfte in eigene Städte schicken. Im Rahmen der Belagerung bedarf es schweren Geräts um die Tore zu öffnen. Katapulte, Onager und Rammen braucht der erfolgreiche Caesar-to-be im ständigen Gepäck. Aber Besiegte brauchen die starke Hand des Imperiums: Wer nicht rechtzeitig Stadtwachen errichtet, wird sich mit Aufständigen plagen müssen.
Die Engine schafft es, auch Schlachten mit mehreren Tausend Einheiten überzeugend zu verpacken und den taktischen Teil der Schlachtenkarte zu betonen. Das bereits angesprochene Balancing ist da nur ein Effekt: Die Einheiten wollen auch formiert werden. Und, was noch wichtiger ist: Diese Formation sollte dann auch weiterhin gehalten während. Wo die Kavallerie zwar ausbrechen mag, um feindliche Truppen niederzureiten, stehen Bogenschützen feindlichen Truppen ohne Begleitung auf einmal sehr, sehr einsam gegenüber. Das Spiel bietet für den modernen Feldherren mit verschiedenen Formationen, einem Aufstellungsmodus vor Schlachtbeginn und diversen Befehlen, die den Truppen gegeben werden können, um Einheiten zu bewachen oder Positionen zu halten genug Möglichkeiten, um die Schlacht nicht in Micro-Management ausarten zu lassen.
Eine wichtige Rolle kommt auch den Familienmitgliedern zu: Als Kommandeure und Statthalter sammeln sie Erfahrungen als Papiertiger oder Schlachtenführer und wirken sich dementsprechend fördernd auf die Soldaten aus. Außerdem bringen sie ihre eigene Leibwache mit, alle schwer gerüstet zu Pferde. Für den einen oder anderen Ausfall durchaus praktisch.
Aber "Rome – Total War" kann viel mehr als nur Schlachten: Die Kampagnenkarte glänzt mit einem ausgefeilten Städtebausystem in fünf Tiefen, dessen Umfang von der Größe der jeweiligen Stadt abhängt. Auch wollen diplomatische Bande mit schwächeren, aber nützlichen Parteien geknüpft werden, getreu dem Motto „vereint siegen, alleine herrschen“. Spione finden bereits vor Eintreffen der eigenen Armee alles wissesswerte über die zu erobernde Siedlung heraus, der Senat stellt Ansprüche und vergibt Missionen, schließlich will man ja auch in Rom bekannt sein. Was nützt der Besitz von Gallien und Germanien wenn die Bruti in Rom herrschen?
Außerdem wollen Töchter und Söhne verheiratet werden, die Linie muss schließlich fortgeführt werden – man lebt ja nicht ewig. Gott sei Dank wird blaues Blut hier nicht wässriger und so mag die vierte oder fünfte Generation endlich zu höherem berufen sein.
Aber nicht nur der eigenen Seite bringt der Imperatorposten den Sieg, auch der Spieler freut sich: So werden unterwegs durch das Bezwingen der Völker weitere Kampagnen freigeschaltet: So warten schließlich unter anderem noch Karthager, Gallier, Griechen und Germanen. Und auch die Ägypter sehnen sich nach einem starken Pharaoh.
Der Multiplayer-Modus bietet lediglich Skirmish-Schlachten zwischen den Beteiligten. Schade, eigentlich. Ein Kampf zweier römischer Häuser um die Vorherrschaft in Rom oder der Einfall der Barbaren in Rom im Rahmen der Singleplayer-Kampagne wären reizvolle Szenarien gewesen. So bleibt online ein fader Beigeschmack.
Rome - Total War kombiniert zwei grandiose Ansätze auf geradezu geniale Art und Weise miteinander: Die Rundenbasiertheit und den Städtebau eines Sid Meier-Games mit der Schlachtdynamik eines Warcraft XXL werden hier verquickt, ohne dass das Spiel jemals wie eine Kopie eines der beiden Titel wirkt.
Nie war antike Strategie so modern, alleine die Grafik spricht da Bände. Einzig einige Kinderkrankheiten trüben das Spielgeschehen: Das Einheiten-Controlling gestaltet sich nicht immer ganz einfach, zu oft wollen da Schüler des Cicero den eigenen Kopf durchbringen. Außerdem wirkt der Multiplayer-Modus in seiner jetzigen Form etwas lieblos. Wer aber ein Spiel sucht, dass mit Tiefgang und Spielspaß fesselnderweise über die kalte Zeit hilft, kann bedenkenlos zugreifen. Mit Rome - Total War erhält man das momentan wohl das beste Strategiespiel da draussen. Allerdings, wer das Szenario nicht mag, sollte die Finger davonlassen.
Wer sich da noch nicht so sicher ist, sollte seine ersten Schritte mit der Demo tun:
Download: Rome Total Demo (162.36 MB) @eXp
Autor: Lennart Dahmen (ld)
Erstellt am: 10. Oktober 2004, 16:42 CEST