Heldenschrott
Dr. Doom hat es nicht leicht. Der Oberschurke muss sich immer wieder einer ganzen Reihe von Superhelden stellen – allein sind sie scheinbar einfach zu feige. Aber das ist eine andere Geschichte und wir wollen euch lieber die von Marvel Super Hero Squad erzählen, die jetzt auf der Playstation Portable und dem Nintendo DS ihr Unwesen treibt. Und auf der Wii, doch unser Test widmet sich der PSP-Versionen.
Es geht um das Schwert der Unendlichkeit. Dieses hat der böse Dr. Doom nämlich in seinen Besitz gebracht und die Vernichtung der Menschheit droht einmal mehr. Na gut. Nicht die Vernichtung. Dafür aber die Unterwerfung, was ja auch nicht unbedingt viel besser ist. Aber in einem Kampf mit Iron Man zerspringt das Schwert und die Aufgabe des Spielers ist es, mit Hilfe der Superhelden, die Fragmente wieder einzusammeln und es vor dem Erzschurken in Sicherheit zu bringen.
Zu Beginn des Spiels darf der Spieler erst einmal seinen Charakter wählen, schließlich stehen gleich mehrere Helden zur Wahl. Vom grünen Hulk bis hin zum Klingenträger Wolverine sind einige Recken mit dabei. Einen gewissen Wiedererkennungswert gibt es im Spiel dann schon, doch sind die Helden stark überzeichnet und wirken schon fast wie eine Parodie. Da haben es die Entwickler ein wenig mit der Kindgerechtheit übertrieben.
Selbiges könnte man auch vom Spielprinzip behaupten: Egal mit welchem Helden man unterwegs ist, stets ist es die gleiche Taste, die es zu drücken gilt. Und zwar rund um die Uhr. Mit einer einzige Taste besiegt man die Widersacher, klopft sie zu einfach zu Brei. Mit der gleichen Taste meistert man aber auch nervige Quicktime-Events und besiegt die Endgegner, also die Antihelden des Dr. Doom. Abwechslung ist für das Marvel Super Hero Squad ein Begriff, der im Wortschatz scheinbar nicht aufzutauchen scheint. Dafür gibt es viel Action.
Schade ist dabei allerdings die Tatsache, dass man von der Action meist nicht viel mitbekommt. Der Grund dafür hört auf den Namen „Perspektive“. Denn die ist grundsätzlich völlig fehl am Platz. Oder um es auf eine andere Art und Weise zu sagen: Egal was auch passiert, die Kamera des Spiels hängt auf jeden Fall rund zwei Sekunden dem Geschehen hinterher. Das führt dazu, dass man weder seinen eigenen Charakter, noch die Gegner zu Gesicht bekommt. Immerhin: Wegen des versimpelten Kampfsystems ist das noch ein geringes Problem, da einfaches Tasten-Dauerdrücken auch zum Sieg führt, wenn man nur das Ende des Kampfes zu Gesicht bekommt.
Andererseits sind die Kämpfe ja auch nicht so spektakulär, dass man sie unbedingt sehen muss. Selbst für ein PSP-Spiel sieht Marvel Super Hero Squad nicht besonders schön aus. Die Charaktere sind klobig, die Animationen meist etwas steif. Und die Effekte nicht der Rede wert. Besiegte Gegner lösen sich auf und hinterlassen einige Dinge, die man einsammeln kann, um Extrapunkte zu bekommen. Wirklich notwendig ist das aber auch nicht. Egal. Wir kommen gerade vom technischen Thema ab. Widmen wir uns also der Klangkulisse. Die kann zwar mit netter Musik aufwarten, nervt aber mit nervtötenden Stimmen aus dem Hauptquartier.
Während den anderen Fassungen des Spiels ein Mehrspielermodus beiliegt, bietet die PSP-Version lediglich noch den Kampf gegen einen von der KI gesteuerten Charakter an. Wirklich spaßig ist das Ganze nicht und so gibt es keinerlei Grund nach der sechsstündigen Geschichte sich noch länger mit dem Titel zu befassen.
Eine magere Spielzeit, Helden die sich kaum voneinander unterscheiden, eine grausame Kameraführung und eine fragwürdige Umsetzung der Marvelhelden machen aus Marvel Super Hero Squad vieles. Nur keinen spaßigen Titel. Das Spiel versagt nahezu auf ganzer Linie und bietet keinerlei Abwechslung für gelangweilte Spielernaturen, weshalb wir unter gar keinen Umständen zum Kauf raten können.
Autor: Michael Hoss (mbh)
Erstellt am: 17. Dezember 2009, 14:07 CET