Ist nur das Fliegen schöner?
Mit Birds of Prey brachten die Entwickler der IL-2 Sturmovik-Reihe auch mal einen Flugsimulator für die Konsolen auf den Markt. Gut, das Wort Simulator passte nicht so ganz, denn im Vergleich mit den bisherigen Titeln der Macher war Birds of Prey dann doch ein wenig zu sehr auf Arcade getrimmt. Jetzt steht mit Wings of Prey auch die PC-Version bereit – doch kann sie überzeugen?
Viel verändert wurde nicht: Der Spieler hebt in diversen Flugzeugen der damaligen Zeit im zweiten Weltkrieg ab und kämpft sich seinen Weg durch die Lüfte. Eine zusammenhängende Geschichte in diesem Sinne gibt es nicht. Man arbeitet einfach verschiedene Missionen ab und fliegt im Kampfeinsatz über London, Berlin und Stalingrad. Aber auch andere Gegenden bekommt man zu Gesicht. Es gilt den Luftraum von den Deutschen zu befreien. Hin und wieder darf man aber auch Bodenziele bombardieren oder Schiffe verteidigen. Oder einige Bomber vom Festland fernhalten.
Zur Auswahl stehen dabei drei unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Wer so gar nicht auf Simulationen steht, der bekommt auch ein äußerst vereinfachtes Flugmodell an die Hand. Dann kann man Loopings fliegen und ewige Runden im Kreis drehen. Wer dagegen auf dem Simulationsgrad spielt, der wird schnell merken, dass so etwas nur bedingt möglich ist, da Luftwiederstände und G-Kräfte sich auf das Flugzeug und den Piloten auswirken. Sprich: Für jeden Spielertyp ist etwas dabei, nur nicht für absolute Hardcore-Simulationsfreaks, denn im direkten Vergleich zu den alten IL-2-Titeln wirkt Wings of Prey wie ein Simulations-Weichspüler.

Davon ab hat sich in den letzten Jahren nur wenig getan. Nach wie vor ist die allgemeine Präsentation äußerst nüchtern und nach wie vor gestalten sich die Luftkämpfe äußerst spannend und actionreich. Moment. An einer Stelle hat sich doch etwas getan. Und zwar bei der Optik. Wie bei den meisten Fliegerspiele ist auch bei Wings of Prey der Boden nur bedingt schön, doch hat man hier schon erheblich schlimmeres gesehen. Wirklich beeindruckend sind all die Flugzeuge, in denen man zu Felde fliegt. Die sind nämlich äußerst detailliert gestaltet und entsprechen ihren realen Vorbildern. Und auch die Wolken und Effekte können sich sehen lassen. Die Musik dagegen passt lediglich zum Spiel, stört aber auch nicht weiter. Ähnlich verhält es sich mit den Soundeffekten.
Wer dann irgendwann alle Aufträge abgeschlossen hat und auch die freien Missionen bestritten hat, der kann sich dann im Mehrspielermodus austoben. Zumindest theoretisch. Der Multiplayer funktioniert nämlich über einen externen Dienst, YuPlay. Keine schlechte Idee an sich, doch benötigt man für das wenig verbreitete System erst einmal einen neuen Account. Ist der angelegt, kann es losgehen. Doch im Spiel angekommen, gab es während unserer Testzeit immer wieder starke Verbindungsprobleme und sogar mehrere Abbrüche.

Das Problem ist, dass der schnellste Spieler den Host darstellt, weshalb Lags an der Tagesordnung sind. Was bei Spielen wie Modern Warfare 2 auch mal gut funktionieren kann, gestaltet sich bei Wings of Prey auf Grund der durchwachsenen Verbreitung als problematisch. Schade, denn die packenden Dogfights am Himmel können sich wahrlich sehen lassen, zumal menschliche Spieler eher eine Herausforderung darstellen, als KI-Piloten. Besonders in jenen Runden, bei denen der Simulationsgrad auf der höchsten Stufe steht, kommen brachiale Kämpfe auf Leben und Tod zu Stande.
Wer vom Fliegen einfach nicht genug bekommen kann und wer auf eine umfangreiche Geschichte ganz freiwillig verzichtet, der wird auch mit Wings of Prey glücklich werden. Im Vergleich zu Heroes over Europe ist der Titel zudem um eine ganze Flugzeugnase besser, weshalb man auch über das Manko hinwegsehen kann, dass im Vergleich zur Konsolen-Version kaum etwas verändert wurde.
Autor: Michael Hoss (mbh)
Erstellt am: 22. Januar 2010, 12:26 CET