Die schwächste Episode
Wenn man Tales of Monkey Island: The Trial and Execution of Guybrush Threepwood ohne Pause ausspricht, so ist man Herr eines unglaublich fiesen Zungenbrechers geworden. Der Name des Episode sprengt so manches Format – da kommt natürlich unweigerlich die Frage auf, ob es der Inhalt dem Namen gleichtut.
Wir blicken noch einmal kurz zurück: In der letzten Episode entkam der Spieler mit Guybrush, dem Helden der Abenteuer, aus dem Inneren einer Seekuh. Die machte nicht Muh, hatte dafür aber ordentliche Magenverstimmungen. Doch Morgan LaFlay führt in der neusten Ausgabe ihre Mission durch und liefert den Hobby-Piraten aus Leidenschaft bei Maquis DeSinge ab. So, wie es vereinbart war. Natürlich bekommt Morgan dafür einen schön dicken Batzen Geld. Aber dieses Mal erwarten den Spieler keine verrückten Experimente des Doktors. Dieses Mal wartet der Gerichtssaal auf den Spieler.
Dort muss man mit Guybrush nämlich die eigene Unschuld beweisen. Die Mannen von Telltale haben sich dazu vier verrückte Fälle einfallen lassen, in denen man als Angeklagter vor dem hohen Richter steht. Da muss man zum Beispiel dafür sorgen, dass man nicht als Schuldiger im Falle einer erstarrten Katze endet, die aktuell nur mit einem Strohhalm gefüttert werden kann. Wirkliche Herausforderungen sind bei den Rätseln auch dieses Mal nicht dabei, doch dafür sind die Dialoge und Charaktere einmal mehr gut getroffen. Wo sonst gibt es schon einen ehrenwerten Richter, der zur gleichen Zeit auch noch Besitzer eines heißen Nachtclubs ist?

Nachtclub? Da klingelt doch was. War nicht im ersten Teil... Ja! Genau! Bereits in der ersten Episode konnte man doch einen Nachtclub sehen. Aber man konnte ihn nicht betreten. Stimmt da etwas nicht? Wieso denn schon wieder einen Nachtclub einbauen? Die Antwort ist so simpel wie ernüchternd: Tales of Monkey Island: The Trial and Execution of Guybrush Threepwood spielt auf Flotsam Island, der Insel aus der ersten Episode. Viel Neues wird der Spieler also nicht zu Gesicht bekommen. Nur einige Charaktere wurden hinzugefügt und die Insel in ein Mondlicht getaucht.
Die Kreuzverhöre im Gerichtssaal sind zwar insgesamt äußerst lustig ausgefallen, doch wie bereits erwähnt, sind die Rätsel noch immer viel zu leicht. Und das drückt so langsam aber sicher auch auf das Gemüt des Spielers. Natürlich möchte man immer wieder lachen, doch die ein oder andere Kopfnuss hätte dem Spiel sicherlich gut getan. Aber hier heißt es, dass man sich auf die letzte Episode, welche ja bereits gegen Anfang Dezember erscheinen soll, gedulden muss. Vielleicht haben es die Mannen von Telltale ja dort geschafft, echte Hindernisse einzubauen.

Woran sich wenig ändern wird, das ist der Grafikstil. Dieser ist noch immer gewohnt charmant, verliert aber auf Grund der Tatsache, dass man in dieser Episode in erster Linie alte Schauplätze vorgesetzt bekommt, an Reiz. Dass die Charaktere noch immer herrlich überzeichnet sind, das wird hier fast zur Nebensache. Beim Sound wird gewohnt gute Qualität abgeliefert, sodass man hier wenig zu meckern hat. Und die Steuerung ist noch immer nicht ganz optimal – doch so langsam dürften sich Spieler der Reihe wohl daran gewöhnt haben.
Am Ende bleibt ein fader Beigeschmack. Zwar kann Guybrush Threepwood auch dieses Mal mit einigen Überraschungen bei der Story aufwarten (Ja sogar richtig dramatische Enthüllungen sind mit dabei), aber so langsam, dafür um so sicherer, ist die Luft raus. Wenn hier im Dezember wieder flache Rätsel abgeliefert werden, so wäre das ein wenig enttäuschend. Der niedrige Schwierigkeitsgrad sorgt einmal mehr dafür, dass man die Episode viel zu schnell durchgespielt hat. Bleibt zu hoffen, dass auch in der letzten Episode dann die Dialoge wieder so herrlich sind und die Story noch einmal eine Wendung nimmt. Wenn dann auch noch die Rätsel stimmen, so wäre es ein krönender Abschluss. Aber bitte nicht noch so eine Episode, denn The Trial and Execution of Guybrush Threepwood ist die bisher Schwächste der Serie.
Autor: Michael Hoss (mbh)
Erstellt am: 20. November 2009, 15:45 CET