Ein Märchen als Spiel
Wer eine Playstation 3 sein Eigen nennt, der kann sich das Spiel über das Playstation Network kaufen. Wer lieber auf dem PC spielt, der wirft einfach Steam an und kauft es sich dort. Die Rede ist von Trine, dem neuen Sidescroller aus dem Hause Frozenbyte. Doch lohnt sich der Kauf für Anhänger des Genres? Ja. Und nicht nur für diese!

Die Geschichte des Spiels erfindet das Rad wahrlich nicht neu: Ein Königreich ist in Gefahr und drei Recken machen sich auf, die Welt und das Universum zu retten. Wie sie dies tun, das ist allerdings in der Tat neu: Alle drei, den Zauberer, die Diebin und den Ritter, steuert man zu einem Artefakt. Alle berühren es – und schon befinden sie sich innerhalb des Kristalls, welcher irgendwie mit dem Gemeinwohl des Landes in Verbindung zu stehen scheint. Kein Wunder also, dass es dem Land schlecht geht, wenn Skelette und Fledermäuse in dem Schuckstück ihr Unwesen treiben. Erzählt wird die Geschichte selbst dabei zu großen Teilen in Standbildern, wo ein Märchenerzähler immer mal wieder sagt, was gerade passiert ist. Manches Mal gibt auch einer der drei Charaktere seine Meinung zum Besten. Auf diese Weise wirkt Trine tatsächlich wie ein Märchen.
So märchenhaft das Spiel erzählt ist, so spielt es sich auch. Wenn Spieler in der heutigen Zeit eine offene 3D-Welt fordern, so vergessen sie scheinbar, dass auch eine zweidimensionale Welt ihre schönen Seiten haben kann. Und den Machern ist es bei diesem Projekt wirklich gelungen, genau diese Seiten zum Vorschein zu bringen.
Zwischen den drei verschiedenen Charakteren darf man jederzeit hin und her wechseln, was je nach Situation auch durchaus angebracht ist. Tauchen Skelette auf, so ist der Ritter eindeutig im Vorteil, da er die Klappergerüste binnen von Sekunden zu Brei prügeln kann. Doch auch die Diebin ist mit ihrem Bogen nicht ganz wehrlos, dient in erster Linie aber dazu, höher gelegene Ebenen zu erreichen, was die nette Dame mit einem Enterhaken bewerkstelligen kann. Der Zauberer dagegen bewegt Objekte hin und her oder erschafft kurzer Hand neue. Zum Beispiel Kisten oder Stege, die über eine Lava-Mulde hinweghelfen.
Wer aufgepasst hat, der wird es gemerkt haben: Objekte lassen sich bewegen. Doch wie ist das gemeint? Es ist recht leicht erklärt: Die Macher von Trine haben massiven Gebrauch von Physikspielerein gemacht und nutzen die PhysX-Engine voll und ganz aus. So basieren viele Hüpfeinlagen und Rätsel auf der Physik. Mal gilt es, Kisten gekonnt zu stapeln, ein anderes Mal muss der Spieler die Balance auf einem beweglichen Untergrund halten, um nicht in die Tiefe zu stürzen. Bis auf das letzte Level (Hier steigt der Schwierigkeitsgrad mit einem Schlag bestialisch an) sind sämtliche Einlagen äußerst fair ausgefallen, sodass auch Anfänger nicht grundsätzlich überfordert sind. Trotzdem ist gutes Timing eine Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Spielverlauf.

Technisch präsentiert sich Trine, genau wie spielerisch, ebenfalls schön. Zwar spielt der gesamte Titel in einer zweidimensionalen Ebene, doch ist die Grafik, welche eben diese Ebene realisiert, in waschechtem 3D gehalten. Die Effekte sind eine wahre Augenweide und auch sonst ist das Gesamtbild äußerst positiv. Gerade durch die physikalisch bedingten vielen Bewegungen entsteht ein lebhafter Eindruck, der von der traumhaften Gestaltung weiter unterstützt wird. Auch Abwechslung wird geboten: Mal befindet man sich in einer Unterwasserwelt, dann wieder in einem düsteren Kerker, um danach gleich wieder in einem verträumten Wäldchen unterwegs zu sein. Die Soundeffekte sind ebenfalls ein Genuss für die Ohren und die musikalische Untermalung kann ebenfalls gefallen. Schade ist es, dass der Sprecher nicht immer viele Sätze zum Besten gibt und auch die Charaktere oft nur wenig sprechen – hier wäre eindeutig mehr machbar gewesen.
Leider wäre auch beim Umfang mehr machbar gewesen. Und bei der Vielfalt der Gegner ebenso. Und auch bei der Physik. Ja, sie ist gut integriert und die Rätsel sind toll – doch oft wirken sie leider nur wenig glaubhaft, dafür aber gestellt. Trotzdem ist Trine ein tolles Spiel, welches nostalgische Erinnerungen hervorruft und mit seinem ganz eigenen Charme überzeugen kann. Lob verdienen die Entwickler auch für die Tatsache, dass das gute Stück kaum Festplattenspeicher beansprucht und die Ladezeiten recht kurz ausgefallen sind.
Autor: Michael Hoss (mbh)
Erstellt am: 09. Juli 2009, 15:42 CEST