OMFG!
Nicht jedes Indie-Spiel ist gut, doch finden sich bei den unabhängigen Entwicklern immer wieder echte Perlen, bei denen sich so mancher Titel mit großem Budget die ein oder andere Scheibe abschneiden könnte. Und genau um so eine Perle handelt es sich bei AaaaaAAaaaAAAaaAAAAaAAAAA!!! - A Reckless Disregard for Gravity, dem Spiel mit dem wohl längsten Namen des Jahres.

Das Beste gleich vorweg: Genauso lang wie der Name ist auch der Umfang ausgefallen. Für einen geringen Preis bekommt man zahlreiche Stunden an Spielspaß geboten. Das ist eine jener erwähnten Scheiben, die sich andere Titel gerne abschauen könnten. Auch beim Spielprinzip findet man eine Scheibe: So simpel, so süchtig machend. Bei AaaaaAAaaaAAAaaAAAAaAAAAA!!! handelt es sich um ein Spiel, welches sich selbst den Fallschirmspringern verschrieben hat. Mehr oder weniger. Im Gegensatz zum grottig schlechten B.A.S.E. Jumping feat. Felix Baumgartner haben die Entwickler nicht auf Realismus, sondern auf pures Adrenalin und reinen Spaß an der Freude gesetzt. Und damit genau das richtige Pferd getroffen.
Ziel des Spiels ist ein möglichst guter Highscore, für den es Zähne (!) gibt. Mit diesen Zähnen kann man sich dann weitere Karten freischalten, um noch mehr abgedrehte Sprünge zu vollführen. An den Aufgaben ändert sich nichts: Wer von der Plattform abspringt, der muss irgendwie Punkte sammeln. Das geht, indem man an möglichst vielen Gebäuden (Objekte trifft es besser, da sämtliche Strukturen willkürlich in der Luft hängen) haarscharf vorbei fliegen oder daran entlang gleiten. Natürlich ohne die Objekte zu berühren.
Wer das schafft bekommt Küsse und Umarmungen und somit Punkte. Klingt einfach, ist es zunächst auch. Doch mit voranschreitendem Spielverlauf wird AaaaaAAaaaAAAaaAAAAaAAAAA!!! immer schwerer. Immer öfter droht der Aufschlag und damit das Ende des Levels. Immer mehr Punkte gilt es zu holen, immer absurder wird das Design der Sprunglandschaften. Neue Herausforderungen kommen auf den Spieler zu. Er kann Zuschauern winken oder ihnen den Mittelfinger zeigen, er kann Gebäude besprühen und sich danach in Ruhe seltsame Videos ansehen.
Seltsame Videos? Ja. Auch das ist so eine Scheibe, denn die Entwickler haben sich sichtlich Mühe gegeben, das Spiel so absurd und lustig wie nur irgend möglich zu gestalten. Da kann man sich Videos freischalten, die überhaupt nichts mit dem Spiel zu tun haben, aber immer wieder für einen Lacher gut sind. Da wird von einem Hausschwein erzählt das Katzen frisst, dann wieder liest die Großmutter von einem der Entwickler ein Backrezept vor und schließlich landet man in einer Meditation, die besagt, dass sie nicht entspannen wird, man aber bitte die Meditation verlassen möchte, sobald man entspannt ist. All dies wird untermalt von merkwürdigen Klängen und einer durch und durch grausamen Farbspirale.

Doch ist das noch nicht alles. In vielen Karten sind Poster angebracht. Diese zeigen von bösen außerirdischen Invasoren, über halb nackte Frauen die einem alles verkaufen könnten, bis hin zu den Entwicklern, welche mit dem Schriftzug „Diese Leute haben euch das angetan!“ unterlegt sind. Zudem gibt es noch einen Level, welcher auf den Namen Dejobaan Sucks hört. Dejobaan, so heißen übrigens die Entwickler. Und wenn man Glück hat, dann lässt Nebin nach einem erfolgreichen Sprung von sich hören. Nebin ist so etwas wie ein Nachrichtensprecher, der dem Spieler mit gelangweilter Stimme unsinnige Meldungen vorliest, welche nicht einmal einen Reissack in China interessieren würden.
Passend zum skurrilen und überzogenem Humor, ist AaaaaAAaaaAAAaaAAAAaAAAAA!!! mit einer abgefahrenen Grafik ausgestattet, die zwar nicht wirklich grandios ist, dafür aber mit knalligen Farben, wildem Design und maßlos übertriebenen Leuchteffekten einem LSD-Rausch gleichkommt. Passend untermalt von einem trashigen Soundtrack, der von Klassik über Rock bis hin zu Techno alles zu bieten hat.
Um an AaaaaAAaaaAAAaaAAAAaAAAAA!!! Spaß zu haben, muss man sich auf den Titel einlassen und einen schrägen Humor besitzen. Dann aber erwartet den Spieler hier einer der besten Indie-Titel des Jahres, der mit einer Mischung aus Geschicklichkeit und purem Adrenalin für lange Abende sorgen kann. Denn man will ja nur noch diesen einen Sprung schaffen und den Anderen vielleicht noch um diese paar Punkte verbessern. Es muss doch irgendwie möglich sein...
Autor: Michael Hoss (mbh)
Erstellt am: 24. Oktober 2009, 20:25 CEST