Zwischen Frust und Lust
Mit Metal Drift könnt ihr jetzt seit einiger Zeit einen Indie-Titel über Steam erwerben, der bisher kaum Erwähnung gefunden hat. Der Name des Spiels verrät dabei schon grundlegend, worum es geht: Schwere Metall-Vehikel. Was aber nicht aus dem Namen hervorgeht: Es handelt sich bei Metal Drift um einen Multiplayertitel.

Zwar tummeln sich auf den Servern im Internet auch viele Bots herum, doch wer Glück hat und zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, der wird auch mit lebendigen Mitspielern aus Fleisch und Blut konfrontiert. Für Neulinge kann dies aber auch zum Verhängnis werden, denn Metal Drift setzt auf Erfahrung: Wer lange spielt, der bekommt Vorteile. Im Verlauf von zahlreichen Schlachten bekommt man Zugang zu immer größeren Waffen und netten Fähigkeiten, die man zusammen kombinieren kann. Auf der einen Seite eröffnen sich so ungeahnte Möglichkeiten (Es gibt zum Beispiel eine Waffe, die durch Wände schießen kann. An und für sich nutzlos, da man ja nicht durch die Wände sehen kann. Mit einer Ausnahme: Man nutzt als Spezialfähigkeit einen Sensor, der alle gegnerischen Vehikel anzeigt.), auf der anderen Seite aber werden Anfänger geradezu deklassiert.
Das sorgt für Frust. Immerhin kann man seinen Rang auch in Kämpfen gegen die künstliche Intelligenz steigern, doch langweilen diese Gefechte auf Dauer, da man schon bald jede Route des Gegners aus dem Schlaf heraus kennt. Bei gerade einmal fünf Karten ist das auch nicht sonderlich schwer. Und so kommt es, wie es kommen muss: Man erduldet die Schmach und versucht hier und da einige Punkte abzustauben, um in der Onlinewelt immer besser zu werden. Ein nutzerfreundlicher Einstieg sieht aber anders aus.
Moment mal. Haben wir da gerade eben geschrieben, dass Metal Drift tatsächlich nur fünf Karten bereithält? Richtig. Und dazu gesellt sich gerade einmal ein einziger Spielmodus. In diesem geht es darum, einen Ball in die gegnerische Basis zu bringen, um dort zu punkten. Das klingt jetzt erst einmal nicht sonderlich abwechslungsreich und ist es eigentlich auch nicht, doch immer mal wieder kann der Titel zu einer gemütlichen Runde locken.
Zumindest wenn man sich an die etwas ungewöhnliche Steuerung gewöhnt hat. Da man in schweren Schwebepanzern sitzt, dürfte es nicht verwundern, dass man den Geschützturm unabhängig vom fahrbaren Untersatz steuern kann. Sie sieht man zwar nicht genau, wohin man fährt, doch hat immer den Gegner im Visier. Außerdem muss man noch beachten, dass die Schwebepanzer ein wenig weiterfliegen, nachdem man angehalten hat. Sie driften eben. Hat man sich daran gewöhnt, so ist es in einem gut eingespielten Team auch schon bald möglich, den Ball zu passen, anstatt ihn einfach nur von A nach B zu transportieren, um kurz vor dem Ziel das Zeitliche zu segnen.

In Sachen Technik kommt Metal Drift äußerst schlicht daher. Die Level sehen allesamt recht gleicht aus, was an einem klinisch toten Stil liegt, der dem Titel zu Grunde liegt. Das in Kombination mit einer leichten Comic-Optik ergibt einen interessanten Look, der durchaus zu gefallen weiß, auch wenn er nicht unbedingt das Beste ist, was die Spieler jemals zu Gesicht bekommen haben. Die Klangkulisse ist ebenso ausgefallen: Die Effekte sind schon in Ordnung, der Kommentator, der auch über das aktuelle Geschehen berichtet, ist eine Weile lang ganz cool und die Musik ist, wenn sie denn mal vorhanden ist, auch ganz passabel. Immerhin: Die Technik wirkt sich in keiner Weise negativ auf den Spielfluss aus, was bei Indie-Titel ja leider nicht immer der Fall ist.
Es stellt sich natürlich die Frage, ob wir Metal Drift empfehlen können. Und das ist eine Frage, die so leicht nicht einmal zu beantworten ist. Im Prinzip können wir den Titel in der Tat all jenen nahe legen, die gerne mal einen interessanten Mehrspieler-Shooter für die nächste LAN-Party suchen. Zudem findet man gute Indie-Spiele ja auch nicht immer wie Sand am Meer. Auf der anderen Seite müssen wir aber noch einmal darauf aufmerksam machen, dass der Umfang nicht gerade üppig ist und es lange Zeit dauert, bis man im Internet ein echter Gegner für die Kollegen geworden ist. Dem dämlichen Freischalt-System des Spiels sei Dank.
Autor: Michael Hoss (mbh)
Erstellt am: 03. Dezember 2009, 13:37 CET