Ein neues Haustier
Vor etlichen Jahren brachte Sony mit dem EyeToy ein faszinierendes Spielzeug auf den Markt. Endlich konnte man aktiv spielen – und das lange vor der Wii. Jetzt hat man die Kamera entstaubt und mit EyePet ein interaktives Tamagotchi geschaffen, wobei die Kamera erstmals im 3D-Raum angewendet wird und nicht mehr nur stupide Bewegungen analysiert. Da stellt sich natürlich die Frage, wie gut das Ganze funktioniert und ob das Spiel denn auch Spaß macht.

Hat man die Kamera an die eigene Playstation angeschlossen und den Boden (oder den Tisch) freigeräumt, so platziert man eine beigelegte Karte auf dem Boden. Diese dient der Kamera als Orientierung im dreidimensionalen Raum. Bevor man dann sein Pet begutachten kann, muss man es erst einmal zum Schlüpfen bringen. Und hier beginnt, was kommen musste: Minispiele verstecken sich überall. Mal muss man mit der Hand auf einen Knopf drücken um Seifenblasen zu erschaffen, dann wieder muss man auf den Boden klopfen um später noch zu singen. Manches Mal darf man auch den Controller in die Hand nehmen, um das süße Tierchen direkt zu steuern.
Doch dazu gleich mehr. Kommen wir erst einmal zum EyePet selbst. Dieses will nämlich auch gepflegt werden. Man kann es füttern, streicheln und auch duschen. Natürlich kann man auch mit dem kleinen Vieh spielen. Es zur Seite stoßen. Oder es ignorieren. Dann wird es ganz traurig und glotzt den Spieler mit großen Augen an. Sterben kann es hingegen nicht. Das Spiel rechnet sich die verstrichene Zeit in Tagen. Und jeden Tag werden neue Herausforderungen freigeschaltet. Das sind dann die erwähnten Minispiele. So zahlreiche sie auch sein mögen, so wenig Abwechslung bieten sie. Im Grunde ähneln sie einander stark. Für eine Weile sind sie aber trotzdem immer mal wieder unterhaltsam, zumal mit ihnen neue Outfits und andere Items für das eigene EyePet freischaltet. Übrigens: Wer zu lange an einem Stück spielt, der bekommt irgendwann erst einmal nichts mehr, da sich das Pet ausruhen muss.

Eine weitere Besonderheit von EyePet, neben der Bewegungssteuerung, das ist das Malbuch. Da darf man dann auf ein weißes Papier lustige Dinge malen und sie vor die Kamera halten. Das Pet versucht dann, eben jene Zeichnung zu imitieren um schließlich daraus etwas zu basteln. Das kann ein Flugzeug sein. Ein Gesicht. Oder ein Roboter. Oder aber auch ein Spiegelei. Für einige Minispiele werden solche Gegenstände auch benötigt. Erstaunlich ist, wie gut das Tierchen im Imitieren ist.
Technisch ist der Titel über jeden Zweifel erhaben. Da die Entwickler nicht so viel darstellen müssen, da ja „unsere“ Welt als Schauplatz dient, sieht das EyePet auch dementsprechend gut aus. Die Animationen sind vom Feinsten und auch das Tier selbst ist mehr als nur gelungen. Zudem wirft es noch einen Schatten auf die Umgebung, was dem neuen Haustier einen überaus lebendigen Charakter gibt. Von den Augen über das Fell: Es ist ein wirklich gelungenes Werk. Beim Sound kann man sich auch nicht beklagen. Das EyePet klingt auch wie eins und die Musik geht ebenfalls in Ordnung, auch wenn sie, sollte eine Aufgabe mal etwas länger dauern, dann doch ein wenig nerven kann.

Bei der Steuerung gibt es noch kleinere Probleme. Nicht immer versteht das Spiel, was man eigentlich gerade machen möchte. Auch die Ausrichtung zur Kamera muss immer wieder überprüft werden. Doch insgesamt ist die Bedienung als solche schon gelungen. Zumal man bedenken muss, dass sie auch in einem leicht abgedunkelten Raum funktioniert. Das einzige Problem tritt bei großen Lichtunterschieden innerhalb des Spielfelds auf. Dann nämlich kommt die Kamera nicht mehr klar. Aber dem lässt sich entgegenwirken.
Insgesamt bietet uns EyePet auf Dauer zu wenig Herausforderung. Es gibt zu wenig Minispiele, um erfahrene Spieler auch auf lange Zeit zu fesseln. Da möchte man jetzt meinen, der Titel sei doch eigentlich für eine jüngere Zielgruppe ausgelegt. Zumindest war dies ja das Ziel von Sony. Für diese junge Zielgruppe könnten aber einige der Herausforderungen viel zu schwer sein. So ist EyePet am Ende ein lustiges Spielzeug, das man immer mal wieder seinen Besuchern vorführen kann, die dann natürlich vorerst staunen, was es in der heutigen Zeit nicht alles gibt. Wer auf solch technische Spielereien abfährt, der darf gerne zugreifen. Auch wer ein Kind im jungen jugendlichen Alter hat, könnte eine nette Unterhaltung ins Haus holen. Ansonsten bleibt nur zu sagen, dass dieses Spiel sich wunderbar für kommende Downloadcontents anbietet, was wohl auch von Sony geplant ist. Bleibt nur zu hoffen, dass hier dann auch die schwachen Online-Funktionen verbessert werden, denn zur Zeit kann man nicht einmal aufgezeichnete Videos direkt ins Internet stellen, sondern muss sie vorher umständlich exportieren.
Autor: Michael Hoss (mbh)
Erstellt am: 05. November 2009, 10:00 CET