Willkommen im All
Seit etlichen Jahren versorgte uns Futuremark mit hochwertigen 3D-Benchmarks, welche auch noch das letzte Bisschen an Leistung aus dem heimischen Rechenknecht zu holen wussten. Doch jetzt hat man sich entschieden, ein erstes Spiel zu entwickeln. Schon vorab war klar: Es würde keine Rücksicht auf Hardwareanforderungen genommen. Ein Mehrspielershooter der alten Schule sollte es werden. Und jetzt ist Shattered Horizon über Steam zu haben. Da stellt sich die Frage, ob Grafikspezialisten tatsächlich ein richtig gutes Spiel auf die Beine stellen können.

Wer eine bahnbrechende Geschichte erwartet, der ist natürlich von Anfang an fehl am Platz. Einen Solopart gibt es nicht und der Grund, warum sich im düsteren Weltraum zwei Fraktionen ordentlich auf die Mütze geben ist auch nur bedingt logisch. Es geht um Minenarbeiter und Wissenschaftler. Eine Katastrophe, Krieg um Rohstoffe und... eigentlich spielt das alles keine große Rolle. Aber seien wir doch mal ehrlich: Wen interessiert das? Wer hinterfragt schon die Geschichte eines reinen Multiplayershooters? Hauptsache die Action stimmt.
Oder besser gesagt: Hauptsache das Gameplay stimmt. Und das ist in Shattered Horizon äußerst interessant ausgefallen. Es gibt keinen Boden. Keine Decke. Kein Links und auch kein Rechts. Es gibt nur die Drehung. Die Drehung um die eigene Achse nämlich. Und die Richtung aller Richtungen. Wer nur Weltraumbahnhof versteht, für den bringen wir es auf den Punkt: Da der Titel im Weltraum angesiedelt ist, gibt es keine Gravitation. Oder nur eine sehr geringe. Mit einem Jetpack kann man in jede beliebige Richtung fliegen. Auch über Kopf. Wobei es dann auch sein könnte, dass nur die anderen Spieler auf dem Kopf stehen und nicht man selbst. Es kommt eben ganz auf die Perspektive an.
Doch fliegt (oder gleitet) man nicht nur durch die Gegend. Per Knopfdruck kann man sich natürlich auch auf dem Boden niederlassen, den tollen Stiefeln der eigenen Figur sei Dank. Dann darf man über Raumstationen, Asteroiden und andere Dinge laufen. Auch hier gibt es keine vorgegebene Richtung: Wer an der Decke läuft, der läuft eben an der vermeintlichen Decke. Dieser Teil von Shattered Horizon erinnert an die guten alten Tage mit Descent, zumal man sich seiner Deckung oder Position nie so ganz sicher sein kann, schließlich kann der Feind in der Tat aus jeder Richtung zuschlagen, sodass man immer die Augen offen haben muss. Und dabei muss man die erwähnten Augen einfach überall haben.

Wo die Bewegung im (Welt-)Raum nun geklärt sein sollte, da bleibt noch die Frage offen, wie es denn um die Gefechte bestellt ist. Jeder Spieler ist von Anfang an mit den gleichen Waffen und Fähigkeiten ausgestattet. Einen Vorteil gibt es nicht, das Balancing hat man sich in dieser Hinsicht gespart. Mit einem multifunktionalem Gewehr ausgestattet, kann die Jagd beginnen. Auch um Munition braucht man sich nicht zu kümmern, denn davon hat man unendlich viel zur Verfügung. So kann man also frei über seine Waffe verfügen. Als Maschinengewehr kann man es einsetzen, per Zoom aber auch den Scharfschützen spielen. Und für den Nahkampf ist auch eine Klinge befestigt. Wer taktisch vorgehen möchte, für den gibt es bis zu vier Granaten verschiedenen Typs. Da kann man Rauchbomben (Eigentlich sind es Eisbomben, die sich in Wasserdampf verwandeln) verschießen, um dem Gegner die Sicht zu nehmen oder einen EMP einsetzen, damit der Feind in seiner Bewegung und Kommunikation mit dem Team gestört wird. Direkten Schaden verursachen diese Granaten keinen, nur die Folgen sind oft tödlich. Wer aber mit Granaten-Spam rechnet, der dürfte positiv überrascht sein.
Man muss seinen Spielstil stets der Umgebung anpassen. Wer in engen Räumlichkeiten den Scharfschützen spielen will, der wird sehr schnell scheitern. Wer dagegen auf weiten Flächen in den Nahkampf möchte, der wird ebenfalls nur ein kurzes Leben haben. Shattered Horizon fordert Fähigkeiten vom Spieler. Sowohl im Zielen, als auch in der Reaktion und im räumlichen Denken. Es spielt sich anfangs etwas träge, doch merkt man schnell, wie flüssig der Titel eigentlich ist. Man fühlt sich schon bald an einen Mehrspielershooter aus dem Hause Id Software oder an den Konkurrenten aus dem Hause Epic erinnert. Nicht unbedingt von der Geschwindigkeit oder dem Stil, aber vom Gefühl.
Autor: Michael Hoss (mbh)
Erstellt am: 09. November 2009, 10:31 CET