Gothic mit anderem Namen?
Keine Frage: Gothic 3 hatte zahlreiche Bugs, welche vielen Spielern den Spaß verdarben. Auf der einen Seite standen die Entwickler, also Piranha Bytes und auf der anderen Seite der Publisher, also JoWood in der Kritik. Wer war denn jetzt für das Debakel verantwortlich? Egal. Die Wege trennten sich und beide begannen ihr eigenes Rollenspiel auf die Beine zu stellen. Dass der Entwickler ist jetzt fertig und es hört auf den Namen Risen.

Und Risen fühlt sich an wie ein Versucht, zu den Wurzeln der Schmiede zurückzukehren. In jedem Detail findet man das erste Gothic wieder – nur Diego sucht man vergebens. Und irgendwie ist die blaue Gefängniskuppel auch nicht zu sehen. Der Spieler schlüpft erneut in die Haut eines namenlosen Helden. Doch dieses Mal ist er kein Gefangener, sondern ein Schiffbrüchiger, der als blinder Passagier an Bord war. Aber sehen wir das mal so: Er mag zwar damit auch ein Verbrecher sein, aber im Nachhinein hätte man sich sicherlich geärgert, wenn man für die Seefahrt Geld bezahlt hätte. Am Strand wacht man auf und nur die schöne Sara hat den Schiffbruch überlebt. Doch die Insel, auf der man sich ganz offensichtlich befindet, scheint ein wenig seltsam zu sein. Gefährliche Kreaturen wandern umher – von Menschen anfangs keine Spur.
Doch auf die stößt man schon sehr bald. Und schnell wird klar: Die Insel ist in der Tat seltsam. Freies umherlaufen ist nicht erwünscht und irgendwie sind die Menschen auch sonst nicht gar so freundlich. Natürlich gibt es wieder unterschiedliche Fraktionen. Wer Pech hat, der darf nicht einmal frei wählen, bei wem er landet, denn die Bewohner der Vulkanfestung sehen freie Leute nicht gern und rekrutieren zwangsweise. Wer sich zuvor aber noch dem Lager anschließt, welches in einem Sumpf (Fühlt sich da sonst noch jemand an Gothic erinnert?) gelegen ist, der kann auch noch andere Seiten der Inseln kennenlernen.

Auf der Reise wird man zahlreiche Ruinen besuchen können, in unterirdischen Gewölben nach Schätzen suchen und in der Hafenstadt die frische Meerbrise genießen dürfen. Es gibt viel zu entdecken, auch wenn die Welt wesentlich kleiner ausgefallen ist, als noch in Gothic 3. Dafür gibt es aber jetzt wesentlich mehr zu entdecken, denn das, was an Spielwelt vorhanden ist, steckt voller Details. Viele Eastereggs wollen entdeckt werden – Erkundungslust wird endlich wieder belohnt.
So schön die Welt auch geworden ist, so trist ist am Ende leider die Geschichte ausgefallen. Erst kommt sie schleppend in Gang und selbst wenn der Spannungsbogen an seiner Spitze angekommen ist, hat man das Gefühl, nichts wirklich Neues zu erleben. Aber das macht so gesehen auch nichts, denn am Ende ist die Geschichte gut genug, um das gesamte Gameplay zu umrahmen und einen würdigen Hintergrund für das zu liefern, was man da gerade veranstaltet. Warum überall die Ruinen aufgetaucht sind und wieso die Erde wackelt, was das Böse und was das Gute ist – das ist schon in Ordnung, ist für erfahrene Rollenspieler aber eben Alltag.

Und der Inhalt? Das erwähnte Gameplay? Das ist über nahezu jeden Zweifel erhaben. Von der Fraktion ist abhängig, was man denn so lernen darf. Vom Schwert- über den Stabkämpfer bis hin zum mächtigen Magier ist alles mit vertreten. Hier ist auch alles beim Alten geblieben: Wer eine Stufe aufsteigt, der bekommt Lernpunkte zur Verfügung gestellt, die er bei einem Trainer mit ein wenig Gold in bessere Fähigkeiten umwandeln kann. Ein wenig Stärke hier, ein besser Kampfstil dort und auch das Schlösserknacken will gelernt sein. Natürlich darf man dann noch eigene Schwerter schmieden, Tränke brauen und allerlei Zeug in der Welt einsammeln. Auch Fleisch darf man sich erneut braten und Fische sowieso. Alles genau so, wie man es erwartet hat. Überrascht wird man nicht – aber das will man dann auch gar nicht, wenn man sich am Feuer niedergelassen hat und über die Zukunft als Held nachsinnt.
Wer all das Zeug nur nutzt um sich zu heilen oder um das Mana aufzufüllen, der kann den Rest auch einfach beim nächstbesten Händler verscherbeln und für mehr Gold in der eigenen Tasche sorgen. Gold ist sowieso überall gerne gesehen und Bestechungen sind einmal mehr an der Tagesordnung. Nur beim Klauen sollte man sich nicht erwischen lassen – dann nämlich sind die Freunde (sofern man welche findet), ganz schnell empfindlich und verweigern den Kontakt. Und für einige Quests kann dies ziemlich bitter enden.
Autor: Michael Hoss (mbh)
Erstellt am: 10. Oktober 2009, 13:37 CEST