Die Geschichte am Abgrund
Was ist das übliche Setting eines Egoshooters? Ganz klar! Der zweite Weltkrieg. Ganze selten findet man sich im wilden Westen wieder. In den meisten Fällen schießt man aber auf futuristische Raumanzüge, in denen sich angeblich menschliche Gegner verstecken. Was passiert aber, wenn ein einziger Shooter all diese Subgenres miteinander kombiniert? Die Antwort trägt den Namen Darkest of Days.

Der Spieler schlüpft in die Rolle eines hoffnungslos verlorenen Cowboys. Im Kampf gegen die Indianer ist er der Übermacht völlig hilflos ausgeliefert und das eigene Schicksal ist so gut wie beschlossen. Doch plötzlich öffnet sich ein Portal, eine Hand streckt sich entgegen und man ist gerettet. Da man geschichtlich völlig unbedeutend sei, wäre man perfekt für die Mission geeignet, die Zeit wieder in die richtige Richtung zu lenken. In der Zukunft haben die Menschen nämlich gelernt, durch die Zeit zu reisen. Und wie jedes Mal, wenn der Mensch eine großartige Errungenschaft gemacht hat, gibt es Probleme. Einige Leute halten sich nämlich nicht an die Regeln und wollen die Zeit verändern. „Mutter“ sieht das gar nicht gerne, weshalb es überall im Raumzeitgefüge zu heftigen Gefechten kommt. Schließlich soll die ursprüngliche Geschichte wieder hergestellt werden. Was könnte es für Folgen haben, wenn zum Beispiel Hitler am Ende doch siegreich gewesen wäre?

So begibt man sich also mit einem Kameraden durch die verschiedenen Epochen unserer Zeit. Man bereist die Darkest of Days – die finstersten Tage der Menschheitsgeschichte. So kämpft man auf Seiten der Nordstaaten, auf Seiten der Südstaaten, dann wieder im wilden Westen und auch der erste und der zweite Weltkrieg ist einen Ausflug wert. Das große Finale gibt es dann am Vesuv, wo Pompeii gerade dem Untergang geweiht ist. Immer mit dem Ziel das Kräftegleichgewicht wieder herzustellen. Oder zu verlagern. Je nachdem, wie es einst die Geschichte vorhersah. Da will ein wichtiger General gerettet werden oder ein komplettes Battallion ausgeschaltet werden, weil selbiges in der „Realität“ niemals existiert hatte.
Doch ganz so einfach ist das Ganze natürlich nicht, denn immer wieder tauchen noch weitere Zeitreisende auf, die es scheinbar nicht gut mit dem Spieler und seinen Absichten haben. Doch was wollen die Störenfriede? Sind sie gekommen, um die Zeit zu vernichten? Oder steckt mehr dahinter? Kämpft man tatsächlich für die richtige Seite? Fragen über Fragen, die bis zum Ende hin keine richtige Antwort bekommen, da Darkest of Days mit einem der größten und somit auch dämlichsten Cliffhanger aller Zeiten ausgestattet ist. „Und was jetzt?“ fragt da dann der Waffenbruder, der mit einem all die Abenteuer bestehen musste.

Und wie sieht es Gameplaytechnisch aus? Die Antwort fällt schwer: Durchwachsen. Klar, Abwechslung wird geboten. Gerade noch ist man in einem Kornfeld mit einer altertümlichen Büchse unterwegs und schon im nächsten Moment hockt man in einem Zeppelin, ausgestattet mit einem Scharfschützengewehr. Und die verschiedenen Schusseisen fühlen sich auch unterschiedlich an. Die Probleme liegen an anderen Stellen versteckt. Überall gibt es Gegner, die von einem blauen Schimmer umzogen sind. Diese (virtuellen) Menschen dürfen nicht getötet werden, da sie später einmal irgendwas wichtiges machen sollen. So schießt man den armen Kerlen also in die Beine, in die Schultern oder an die Arme. Auch ein Bauchschuss ist mal drin. Tötet man dann doch mal einen, so ist es nicht schlimm. Sind aber mehrere Blaumänner betroffen, droht der Exitus für den Spieler. Da stellt sich aber die Frage: Warum sterben die gesicherten Leute trotzdem? Die eigenen Truppen nehmen nämlich keinerlei Rücksicht auf die Tatsache, dass diese bestimmten Personen eigentlich überlebt hätten. Und Konsequenzen scheint es dann auch nicht zu geben.
Auch sonst ist die künstliche Intelligenz nicht besonders helle. Die Massenschlachten sind in der Tat recht beeindruckend, doch lassen sich die Gegner viel zu leicht aufs Korn nehmen und stellen nur in absoluter Übermacht eine Herausforderung für geübte Spieler dar.
Autor: Michael Hoss (mbh)
Erstellt am: 28. September 2009, 20:20 CEST