Wer bremst hat Angst ...
Wer bremst hat Angst ...
Wir halten fest : Amerikanische Jugendliche würden gerne wie Vin Diesel aussehen, wenn sie mit ihren tiefergelegten und sonst hochgetuneden japanischen Importkarren illegale Beschleunigungsrennen hinlegen. Desweiteren stellen wir fest : Amerikanische Städte haben Nachts immer nasse Strassen, reflektieren was das Zeug hält und das berühmte amerikanische dritte Bremslicht, funktioniert nie ...
... denn wohin mit dem Geschwindigkeitsabfall.
Mit diesem Zitat von Werner begrüsse ich euch zum Need for Speed Underground Review – ein Spiel dass mir so manchen Nerv gekostet hat, aber von dem ich auch nicht mehr lassen kann. Doch der Reihe nach ...
Es begab sich zu einer Zeit, in der man mit einem billigen Nachfolger einer hocherfolgreichen Rennspielserie sich jede Menge Vorschusslorbeeren verheizte, dass ein amerikanischer Regisseur einen Bericht über Untergrundrennen der amerikanischen Jugend zu Gesicht bekam. Um dieses Trauma vernünftig verarbeiten zu können schuf er einen Film : The Fast and the Furious war nicht nur an der Kinokasse populär, sondern machte besonders beim MTV-geprägten Publikum die Herren Diesel und Walker zu Publikumslieblingen. Und nachdem mit einem Sequel namens „2 Fast, 2 Furious“ ein weiteres Male gezeigt wurde, dass mit aufgemotzten asiatischen Karren und ein bisschen Untergrund-Rennflair viel Geld zu machen war, war EA nicht fern und schuf die Idee für ein Spiel zu genau diesem Thema – Need for Speed Underground war geboren.
Eine Felge sie alle zu knechten ...
Man nehme also ein paar besonders bei Tunern beliebte Karren, nebst dem berühmten VW Golf GTI entsprechende Fabrikate derselben Klasse von Peugeot, Honda, Mazda, Nissan, Toyota – die üblichen Verdächtigen, wenn es um eine günstige, aber nicht minder qualitative Anschaffung geht. Dann gebe man dem Spieler nicht nur rein leistungsmässige, sondern auch visuelle Upgrades aller Art, gebe zu zwei altbekannten Rennmodi zwei unverbrauchte, frische Varianten hinzu und fertig ist der neue Rennspielhit – ja auf den ersten Blick scheint dies alles zu stimmen. Aber auch wenn es sich auf dem Papier alles andere als berauschend anhört, das Ergebnis vermag zu begeistern.
Denn bereits nach den ersten paar Rennen hat man auch im leichtesten Schwierigkeitsgrad genügend Geld zusammengefahren, um die Standardkarre mit schönen Spoilern, Stoßstangen, Vinyls (farbigen Aufklebern für die Karosse, mehrschichtig auftragbar), Decals (zumeist Hersteller-Aufkleber), einer Unterbodenbeleuchtung, speziellen Glasfolien, neuen Front- und Heckscheinwerfern, speziellen Lacken und schönen grossformatigen Felgen auszustatten. Die zusätzlich freischaltbaren Leistungsupgrades wie Turbos, Chiptuning, Leichtbausätzen und Tieferlegen inklusive machen dann nicht nur visuell, sondern auch Leistungsmässig eine kräftige Karre, die von einem Rennen zum nächsten nicht mehr 210, sondern plötzlich 260 Spitze fährt. Alles in allem lässt sich vor allem Visuell, aber dank mehreren „exklusiven“ Updates auch Leistungsmässig eine personalisierte Karre zusammenbauen. Vor allem im Multiplayer kann man dann nicht nur sein Können unter Beweis stellen, sondern auch für die Mitspieler „schaulaufen“ und damit die neue Lack/Vinyl-Kombination mit einem Sieg einweihen.
Ein Glanz, vor dem Diamanten neidisch werden ...
Aber auch das Drumherum macht grafisch einen berauschenden Eindruck : Die Nachts stattfindenden Rennen bieten ein Meer von Neonleuchten, die sich auf der glänzenden Strasse spiegeln und sich auch auf den glänzenden Autos wiederfinden lassen. Auf den Stoßstangen spiegelt sich die unter den Karren hinwegfegende Strasse und spätestens ab Tempo 230 hat der ungebübte Spieler auf unbekannten Strecken erhebliche Probleme, sich zurechtzufinden – Motion Blur sei dank.
Denn selten hatte eine inzwischen allseits beliebte Technik mehr Existenzberechtigung als in diesem Spiel. Einen Tunneleffekt nachempfindend setzt bei hohen Geschwindigkeiten ein immer stärker zunehmender Unschärfeeffekt ein, der zusammen mit verschlierenden Lichtern und Scheinwerfern für ein Meer aus Farben und Lichtern sorgt, in dem man sich erst einmal zurechtfinden muss – wer die Strecken nahezu auswendig kennt, ist hier ganz klar im Vorteil. Noch eine Ecke heftiger wird diese Unschärfe vor allem aber dann, wenn der Spieler den „Turbo“ nutzt – Lachgas heisst das Zauberwort. N20 oder NOS wie es gern genannt wird, in drei Varianten verfügbar, bietet auf Knopfdruck 30-40 PS mehr und bietet vor allem bei effizientem Turbolader-Einsatz den maximalen Geschwindigkeitsschub – nicht ganz fair, aber fein !
Sollte dann das Auto auch noch mit Perl-Lack versehen sein, wird einem abhängig von Blickwinkel und Lichtquelle eine andere Schattierung der Grundfarbe geboten – Karosse, Spoiler, Felgen und Bremsen lassen sich dabei getrennt voneinander färben, die Färbung der Motorschläuche ist zwar auch möglich, im Endeffekt aber zu vernachlässigen.
Der Benziner grollt, der Wankel kreischt ...
THX-Logo beim Start und Dolby Pro-Logic Logo auf der CD versprechen ein einzigartiges Sounderlebnis – da fragt man sich manchmal durchaus wo denn dieses Sounderlebnis geblieben ist. Der Sound ist klasse, keine Frage, aber wenn EA schon mit THX hoch stapelt, dann erwartet man doch einiges. In Verbindung mit meiner THX-zertifizierten Soundblaster Audigy 2 und dem Cambridge Megaworks 550 THX Soundsystem dachte ich die perfekte Kombination zu besitzen, um wirklich alles aus dem Spiel herauszuholen – und vielleicht tu ich das ja auch, nur wirklich hörbar ist es nicht. Doch der Reihe nach :
Schon beim Start begrüssen einen Lil Jon & The Eastside Boyz mit ihrem Get Low stilecht, wenn auch ohne Reagge-Anleihen und Busta Rhymes, welche hierzulande in diesem Track mitmischen. Der Soundtrack besticht dabei durch ein buntes Potpourri aus Hiphop, BigBeat und Metal, welche einem sogar abhängig vom Spielverlauf begleiten, je nachdem, ob man am Anfang seiner Karriere ist, der unaufhaltsame Aufstieg nicht mehr zu verleugnen ist, oder man in der Oberklasse mitmischt – zusammen mit den sich ändernden Strecken ändert sich der Soundtrack.
An der Musik gibt es also nichts auszusetzen, abgesehen davon, dass EA wieder ein proprietäres Streaming-System verwendet, welches schon aus vielen EA und EA-Sports Titeln bekannt ist. Vorteil für EA – meistens kann kein Mensch die Dateien extrahieren, Nachteil für die Spieler – bei zu MP3 identischem Datenaufwand wird einem eine niedrigere Audio-Qualität geboten, die einen eher an analogen Radio-Genuss erinnert, als denn an glasklaren THX-Sound; ob da gerade wegen der niedrigeren Radioqualität Absicht hintersteckt, wage ich zu bezweiflen.
Kommen wir also zu den Sounds – das Menü besitzt einige unscheinbare aber gut gewählte Feedback-Sounds, dann geht es aber ins Spiel – zwar vermag man am Anfang die Unterschiede nicht heraushören, aber die Motorensounds unterscheiden sich, wenn auch nur marginal. Das ändert sich aber spätestens dann, wenn Turbolader und Motorenupgrade eingebaut sind. Der Motor klingt gleich aggressiver, das hochtourige Kreischen einiger Modelle weicht einem dunklen Grollen und der Turbo zischt freudig bei jedem Schaltvorgang mit.
In dieselbe Kerbe schlagen dann die verschiedenen Lachgas-Stufen. Während die erste Stufe innerhalb von Millisekunden verheizt wird und dementsprechend kurz zischt, so bietet die höchste Ausbaustufe einen kleinen Knall – nein kein Überschall – zusammen mit einer Geräuschkulisse, als ob alles an einem vorbeirauschen würde.
Und wo grad das Wörtchen „vorbeirauschen“ auftaucht – hier bietet Need for Speed Underground wahre Detailarbeit – Fahrzeuge hupen mit Dopplereffekt, wenn man zu nahe an ihnen vorbeirauscht, Laternenmasten und Seitenstrassen quittieren ein eindeutiges „Vorbeirausch“-Geräusch, welches zusammen mit Unschärfe und sattem Motorensound wirklich ein Sounderlebnis bietet.
Aber dann kam der Blick auf die hinteren Boxen – war hier wirklich direktionaler Sound zu hören, oder rechnete die Soundkarte den Stereoton einfach auf alle fünf Speaker um ?
Ich konnte es leider nicht feststellen, und auch wenn man herannahende Gegner auch wirklich hört, konnte mir das Spiel wirklich nicht eindeutig zeigen, ob es direktionalen Sound ausgeben kann – mangels entsprechender Environment-Sound-Einstellungen in den Optionen war es auch so ohne weiteres nicht herausfindbar. Eventuell hätten meine Rear-Speaker ja besser ausgerichtet sein müssen, aber in meinem Setup war es nicht eindeutig bestimmbar.
Autor: Patrick Heyer (ph)
Erstellt am: 26. Juli 2004, 19:09 CEST