Das soll Sparta sein?
Frank Miller liegt zurzeit voll im Trend. 2005 erschienen mit Batman Begins und Sin City gleich zwei Filme, die auf den Geschichten des amerikanischen Comicautors basieren. Zu beiden Filmen sind bereits Fortsetzungen in Planung. Dieses Jahr kam Zack Snyders 300 hinzu, der sich Millers Version der Ersten Schlacht bei den Thermopylen zur Vorlage nimmt. Bereits die ersten Trailer konnten einen riesigen Hype um den Film, der seit dieser Woche auch in den deutschen Kinos zu sehen ist, erzeugen. Die anschließende Kontroverse, ob der Film nun perserfeindlich sei oder nicht, hat 300 nur noch weiter in die mediale Aufmerksamkeit gerückt – der kommerzielle Erfolg des Films war vorprogrammiert. Und da inzwischen kaum ein Filmerfolg ohne Versoftung auskommt, ist das auch bei Snyders Werk nicht anders. Wir haben uns dem psp-exklusiven 300: March to Glory angenommen.
Die Handlung von Film und Comic lässt sich gut in zwei Sätzen zusammenfassen: Um 480 v. Chr. marschiert das persische Heer unter der Führung von Gottkönig Xerxes in Griechenland ein. 300 spartanische Krieger folgen ihrem König Leonidas in die Schlacht an den Thermopylen, einer Engstelle zwischen dem ägäischen Meer und einem Gebirge, und kloppen sich dort drei Tage lang in einem aussichtslosen Kampf mit den Persern, bis ihr Heldenmut alle Armeen Griechenlands beflügelt. Diesen recht begrenzten Handlungsraum erweitert das Spiel um eine weitere Auseinandersetzung zwischen Persern und Spartanern drei Wochen vor der eigentlichen Schlacht. Erzählt wird das alles mit den Vorlagen entnommenen Dialogen in durch kleinere Animationen zum Leben erweckten Comicstrips, die zwar nicht aus Millers Feder stammen, sich stilistisch aber sehr schön einfügen. Leider sind sie auch das einzige Highlight des Spiels.

Das Spiel selbst gestaltet sich - wie sollte es anders sein - als klassisches Hack’n’Slay, in dem ihr euch in der Rolle von Leonidas durch die persischen Heere metzelt. Das Gameplay schreit dabei in jeder Szene deutlich das Vorbild God of War heraus, kommt aber nie an die Dynamik und den Abwechslungsreichtum des Genreprimus heran. Dennoch ist das Geschlachte zumindest zu Beginn recht unterhaltsam. Das liegt vor allen an den Kombos, die den spektakulären Attacken aus dem Film nachempfunden und ebenso mit netten Zeitlupeneffekten kombiniert sind. Ebenso orientiert sich der Härtegrad am Film, weshalb auch das Spiel nichts für zartbesaitete Gemüter ist. Für erledigte Feinde erhaltet ihr Erfahrungspunkte, die sich dann in neue Waffen, Kombos und andere Fähigkeiten, wie Selbstheilung oder Verlangsamung der Gegner, eintauschen lassen. Eure Primärwaffe ist dabei immer das Schwert, zusätzlich gibt es noch Speere, die sich werfen lassen. Leider laufen aber alle Kämpfe gleich ab, sobald ihr erstmal die letzten beiden Kombos gelernt habt, gibt es eigentlich keinen Grund, noch andere Attacken einzusetzen, und so macht sich schnell Eintönigkeit breit.
Zur Auflockerung haben die Entwickler ein paar Schleichpassagen eingebaut, die aber meistens darauf hinauslaufen, dass ihr von Feinden abseits des Bildschirms entdeckt werdet und es daraufhin wieder auf einen Kampf gegen die anstürmenden Gegner hinausläuft. Außerdem gibt es noch Phalanx-Sequenzen, in denen ihr gleich die gesamte Schlachtformation der Spartaner steuert. Bevor ein abnehmender Balken den Nullpunkt erreicht und sich damit die Phalanx auflöst, müsst ihr das jeweilige Ende der Sequenz erreichen. Erledigte Feinde lassen dabei den Balken wieder ein wenig anwachsen. Auch diese Sequenzen spielen sich immer gleich, weshalb sie spätestens beim dritten Mal gehörig auf die Nerven gehen.

Ebenfalls in die Kategorie "nett gedacht, schlecht gemacht" gehört der bereits aus dem Trailer bekannte Pfeilhagel der persischen Bogenschützen. Im Spiel kündigt sich dieser durch die Verdunkelung des Bildschirms an. Wenn ihr nicht von Pfeilen durchsiebt werden wollt, heißt es sofort unter dem Schild Schutz zu suchen. Da diese Pfeilhagel viel zu oft auftreten und ihr jedes Mal aus dem Kampfgeschehen herausgerissen werdet, sind sie nicht gerade spielspaßfördernd. Abwechslung bieten dann nur noch die ganz gelungenen Bosskämpfe. Daher finden sich auch kaum Argumente, die für einen zweiten Spieldurchlauf sprechen, solltet ihr erstmal nach ca. sieben Stunden den Abspann gesehen haben.
Die Präsentation des Spiels gleicht sich dem sehr mittelmäßigen Spielverlauf an. Abgesehen von Leonidas sind sowohl Verbündete als auch Feinde sehr polygonarm, ein Begriff der auch auf die langweiligen Level zutrifft. Wenigstens die Animationen können sich im Großen und Ganzen sehen lassen. Generell zeigt sich aber auch, dass die Hardware der PSP für solch ein Spiel kaum geeignet ist. An opulente Massenschlachten erinnern die Kämpfe daher nie, trotzdem kommt es immer wieder zu enormen Slowdowns.
Leider konnte man nicht die Originalsprecher gewinnen. Für sich betrachtet machen zwar auch die Vertreter ihre Sache ganz gut, den Vergleich mit dem kernigen Kriegsgebrüll von Gerard Butler im Film verlieren sie aber um Längen. Musik und Soundeffekte können insgesamt überzeugen, leiden aber an zahlreichen Soundbugs, wie Aussetzern und Lautstärkeschwankungen.
Interessant für Fans ist eventuell noch der Extra-Bereich, der nicht nur die obligatorischen Trailer, sondern auch kleinere Interviews und Making-Ofs anbietet. Das Spiel selbst ist aufgrund seiner Eintönigkeit aber kaum zu empfehlen und reiht sich in die lange Reihe mittelmäßiger Filmversoftungen ein.
Autor: Julian Unkel (ju)
Erstellt am: 09. April 2007, 15:24 CEST