Nie mehr zweiter Weltkrieg...
Infinity Ward und Activision haben den großen Sprung gewagt und die Call of Duty-Serie, die ja bisher zum zweiten Weltkrieg gehörte wie die Invasion der Normandie, in die nahe Zukunft verlagert. In den Rollen einiger Eliteeinheiten der Briten und Amerikaner geht es um den halben Erdball auf der Jagd nach einigen besonders fiesen Terroristen.

Packend, aber hilflos. Als Intro dient eine Sequenz, in der man einer Exekution aus der Ego-Perspektive beiwohnen muss.
Im Lauf von Call of Duty 4: Modern Warfare übernimmt man die Steuerung von bis zu vier unterschiedlichen Spezialsoldaten – nacheinander, versteht sich. Die ersten Schritte im Titel wagt man in den Schuhen eines britischen SAS-Sergeants – und schon die haben es in sich: Nach einem kurzen Training, das vor allem dazu dient, den geeigneten Schwierigkeitsgrad für den Titel zu bestimmen, geht es auch schon an Bord eines Helikopters. In der stürmischen Beringstraße muss ein Frachter ausfindig gemacht werden, mit dem Terroristen nukleares Material verschiffen. In brausender Nacht seilt man sich auf das Frachtschiff ab, erledigt zahlreiche vermummte Gestalten und dringt tiefer ins Schiff vor. Kaum scheint die Mission eigentlich geschafft, geht das Chaos erst so richtig los. Das Schiff gerät in Schieflage, droht zu sinken - mit den Elitesoldaten an Bord. In wilder Jagd geht es nun durch enge Gänge zurück an die Oberfläche – dramatisch wird dies vor allem dadurch, dass das Schiff nun schräg liegt, Wellen den Spieler zurückwerfen und ihm die Orientierung rauben und schon ein falscher Schritt mit dem Tod bestraft wird.
Gleich nach der intensiven ersten Mission ist klar, dass Modern Warfare in bester Serientradition entstanden ist – nur eben auf einem anderen Schlachtfeld. Hier ist man nicht nur vor dem Monitor, sondern hat tatsächlich das Gefühl, sich mitten im Schlachtgetümmel zu befinden. Dafür sorgt vor allem die ununterbrochene Action im Titel: Von der ersten Minute an fliegen dem Spieler pausenlos die Kugeln um die Ohren – einige wenige beruhigende Momente einmal außen vor gelassen. Doch auch in den Missionen, in denen mehr geschlichen wird, ist die Spannung hoch: Entdeckt zu werden, bedeutet hier zumeist den sicheren Tod.

Packende Action ist hier garantiert.
Die Hintergrundgeschichte von Modern Warfare ist schnell erzählt: Ein Staatsstreich in einem unbekannten Land im nahen Osten, einer in Russland und flugs befindet sich die Erde am Rande einer nuklearen Katastrophe. In beiden Ländern kommen nämlich Terrorfürsten an die Macht. So wird ein Eingreifen der Westmächte nötig und voilá - schon ist man mitten im Krieg. Übrigens deutlich näher, als es einem recht sein kann: Nach der Mission in der Beringstraße, in der man den Frachter gekapert hat, erlebt man den Staatsstreich im nahen Osten aus nächster Nähe. In der Haut des entmachteten Präsidenten Yasir Al-Fulani wird man von den Putschisten aus seinem Palast geschleift, durch die Stadt gefahren und darf schließlich seiner eigenen Exekution beiwohnen. Grandios inszeniert, fungiert diese Sequenz, in der man lediglich den Kopf bewegen kann, praktisch als Introsequenz. In den nächsten Missionen geht es deutlich actionreicher zu.
Während man sich also mit Sergeant „Soap“ MacTavish, als Marine Paul Jackson oder als Captain Price über die Schlachtfelder in Russland und dem nahen Osten schießt, jagt man verschiedenen Schlüsselfiguren der fiktiven Geschichte hinterher. Die Umsetzung ist Infinity Ward nahezu filmreif gelungen, schon während der Ladepausen erzählen einige gerenderte Zwischensequenzen die Geschichte – vor Beginn der Missionen gibt es dann noch einmal Cutscenes mit der Ingame-Grafik. Nicht nur die Story wird so fortgeführt, zugleich erfährt man auch mehr über seine Kameraden. In die Einsätze schickt man den Helden nämlich nicht allein, sondern immer mit einigen KI-Buddies zur Begleitung.

Mit derlei Videos, die die Story vorantreiben, überbrückt man in CoD4 die Ladepausen.
Call of Duty 4: Modern Warfare bietet höchst unterschiedliche Missionen: So kämpft man sich durch Häuserschluchten im nahen Osten, kämpft sich durch weitläufige Gebiete russischer Taiga und stürmt ein Raketensilo. Eine der ungewöhnlicheren Missionen findet an Bord einer AC-130 statt, wo man vom Bordgeschütz aus eine Offensive der Bodentruppen decken soll.
Serientraditionalisten kommen ebenfalls auf ihre Kosten: In einer der letzten Missionen entkommt man in wilder Jagd auf der Ladefläche eines LKWs seinen Verfolgern. Eine Einlage, die Spieler schon seit dem ersten Teil der Serie begleitet.
Während der Spieler in den meisten der 14 Missionen in actionreiche Kämpfe geschickt wird, gibt es auch einige Ausnahmen. So schleicht man sich etwa in einer Mission durch eine Geisterstadt nahe Tschernobyl. In der Rolle von Captain Price muss man in dieser Rückblende 15 Jahre vor den Ereignissen von Call of Duty 4 einen Terrorfürsten ausschalten. Und die Mission hat es in sich! Die Stimmung in der verlassenen Großstadt ist bedrückend, überall lauern Gefahren, gegnerische Späher und der sichere Tod. Und mit dem Mord an Terrorchef Zakhaev hat man erst die halbe Miete gezahlt, schließlich muss man auch noch zurück zur Landezone - an den nun alamierten Wachen vorbei.
Autor: Lennart Dahmen (ld)
Erstellt am: 20. November 2007, 15:30 CET