Ein Königreich für etwas Abwechslung!
Wenn Bücher zu Filmen werden, dann ist in der heutigen Zeit das dazugehörige Spiel nicht weit entfernt. Hin und wieder kommt bei so etwas sogar ein recht ansehnliches und vor allem brauchbares Spiel heraus. Wenn aber schon das Buch im besten Falle als durchschnittlich bezeichnet werden kann, der Film gerade so in den Durchschnitt hineinrutscht, dann ist die unterdurchschnittliche Versoftung eigentlich beinahe vorprogrammiert. So nun geschehen mit Eragon.

Vom Bauer zum Drachenreiter
Die Geschichte ist schnell erzählt: Ein böser Oberkönig spielt Tyrann, ein ehemaliger Drachenreiter steht an seiner Seite und will ein blaues Ei unter seine Kontrolle bringen, doch eine nette Frau stellt sich ihm in den Weg – das Ei landet bei einem Bauernknaben namens Eragon. Aus dem Ei schlüpft schließlich ein Drache. Doch die nette Frau ist in Gefahr. Die Frage nach dem Held und dessen Aufgabe dürfte sich damit erübrigt haben. An des Helden Seite kämpfen zudem noch einige Mitstreiter. Zu Beginn sein Lehrmeister, später, nach dem Tod des Lehrers, ein junger Kerl mit großer Klappe. Woher dieser kommt, wird im Spiel nicht geklärt, ebenso unklar ist, wieso er auf einmal auftaucht.
Garniert wird das ganze Epos mit unaussprechlichen Namen für Gegner und Orte, sodass eigentlich Fantasystimmung aufkommen sollte.
Eigentlich. Die Figuren bleiben ohne jeden Charakter, die Stimme des Protagonisten wird nach einer Weile wirklich nervig, denn verweichlichter könnte sie kaum sein. Der Drache (bzw. die Drachin) selbst, der auf den Namen Saphira hört, ist ebenso ein Weichei. Eigentlich müsste man davon ausgehen, dass sie den ein oder anderen Pfeil wegstecken kann, doch in den Zwischensequenzen, welche im Spiel in großen Mengen vorkommen, zieht sie nach einem Treffer gerne mal das Weite.
Das wirkliche Problem ist aber das ewige Verprügeln von unzähligen Gegnern. Nun mag genau dies aber das Spiel ausmachen, es handelt sich nun mal um ein Hack & Slay-Spiel mit 3D-Grafik. Natürlich gehört es sich da Monster zu verprügeln, doch wenn sich das über das komplette Spiel hinwegzieht, es so gut wie keine Abwechslung gibt, es nur marginale Unterschiede zwischen den Gegnertypen gibt und die ach so vielseitigen Angriffsmöglichkeiten vom Spieler einfach außer Acht gelassen werden, weil man sämtliche Gegnermassen mit ein und derselben Attacke viel einfacher besiegen kann, dann stimmt irgendwas nicht.
Über das ganze Spiel hinweg verprügelt man Menschen oder fette Menschen (eine Art Oger wenn man so will, der tatsächliche Name dieser Kreaturen ist dabei relativ egal, mag er auch noch so absurd sein). Nicht einmal taucht ein Wolf, ein Bär oder ein wirklich fieses Urmonster auf. Stets sind es Menschen, welche auf ein und dieselbe Art verdroschen werden. Zwar lernt man gleich zu Beginn des Spiels, dass man mit verschiedenen Tastenkombinationen auch verschiedene Angriffe starten kann – sobald man aber rausgefunden hat, dass man wirklich jeden Gegner auch mit der schnellen Standardattacke ohne große Mühen besiegen kann, wirken diese überflüssig. Da lässt man sich auch gerne die netten Kamerafahrten für einen Spezialkill entgehen. Hin und wieder schießt man auch mal mit dem Bogen. Zumindest ist das vorgesehen, man kann auch darauf verzichten.

Vielleicht dann doch lieber Magie einsetzen. Auch hier gilt: Im Kampf ist es nicht zwingend notwendig, allerdings ist die Magie wenigstens manchmal sinnvoll einsetzbar. Ansonsten nutzt man sie nur, um an vorgegebenen Stellen die Umwelt zu seinen Gunsten zu manipulieren, also so anzupassen, dass man in den linearen Levels weiterkommt.
Das wäre übrigens wesentlich leichter, wenn die Kamera frei justierbar wäre – ist sie aber nicht. So kommt es schon mal vor, dass man gut eine halbe Stunde vor einer Treppe steht, die man hinaufgehen soll - es aber nicht kann, weil man nicht weiß, dass sie sich dort befindet. Nur bei den Abschnitten im Spiel, wo man Saphira steuert, stellt sich dieses Problem nicht, doch ist hier die Steuerung der Echse geradezu katastrophal.
Autor: Michael Hoss (mbh)
Erstellt am: 19. Dezember 2006, 16:09 CET