Ein würdiger Nachfolger?
Es ist lange her, dass Operation Flashpoint auf den Markt gekommen ist. Nachdem sich Entwickler und Publisher getrennt hatten, kam die Marke Armed Assault auf, welche im zweiten Anlauf verbuggter denn je zuvor auf den Markt kam. Codemasters hat jetzt Operation Flashpoint: Dragon Rising auf den Markt gebracht. Doch ist die Militär-Simulation bzw. der Taktik-Shooter die bessere Wahl geworden?

Das Wichtigste vorweg: Wer eine beinharte Simulation erwartet, der sollte lieber bei Armed Assault 2 bleiben. Dass bedeutet allerdings nicht, dass Spieler hinter Dragon Rising einen Shooter im Stil von Call of Duty erwarten sollten, auch wenn böse Zungen dies behaupten möchten. Wer das behauptet, hat den Titel nicht gespielt und möchte lediglich zeigen, dass er Codemasters im Bezug auf Bohemia Interactive nicht leiden kann. Zumindest ist dies unsere Vermutung. Denn Dragon Rising ist sehr wohl ein Militär-Spiel mit hohem Realitätsanspruch. Nur ist der nicht ganz so hoch, wie bei der Konkurrenz. Wer aber meint, wie Rambo durch die Welt zu rennen, der wird schnell durch eine umherschwirrende Kugel zu Boden gehen.
Doch beginnen wir an einer anderen Stelle. Wie wäre es beim Intro? Dieses vermittelt dem Spieler nämlich sogleich die gesamte Geschichte von aufsteigenden Drachen: Skira, eine fiktive Insel, ist der Schauplatz. Schon seit Jahrhunderten wurde die Insel immer wieder von Russland oder China überrannt. Nach dem Ende des kalten Krieges schmiedeten die USA und Russland ein Bündnis, dann kam die Wirtschaftskrise. Und auf der Insel Skira wurde Öl entdeckt. China stand vor dem Abgrund. Und so besetzte man die Insel, womit Russland nicht so ganz einverstanden war. Sie baten um Hilfe und Amerika antwortete: Der Drache erhob sich, der Krieg stand kurz bevor. Und genau hier steigt der Spieler in das Geschehen ein, wobei er im weiteren Verlauf lediglich nur noch Mission abarbeiten muss und nicht mehr viel Geschichte präsentiert bekommen wird. Schade, denn der Konflikt hätte wesentlich besser in Szene gesetzt werden können, als durch banal öde Missionsbriefings.

In den Mission gilt es meist feindliche Stellungen einzunehmen. Da muss man Dörfer erobern, Luftabwehr-Stellungen außer Betrieb nehmen (Ihr wisst schon: Sprengstoff ist vielfältig einsetzbar) oder Panzerabwehr-Trupps von den anrückenden Panzern fernhalten. Dann muss man auch mal die Stellung halten und warten, bis Verstärkung eintrifft oder aber der feindliche Angriff versiegt. All dies findet auf äußerst großen Karten statt. Es ist zwar keine Welt aus einem Guss geworden, doch kann man schon mal mehrere Stunden mit einer einzigen Mission zubringen, da das Gelände trotz alledem sehr weitläufig ist. Und weitläufig trifft es da ziemlich genau: Meist ist man mit den Füßen unterwegs und nicht in einem gepanzerten Fahrzeug. Selten findet man mal hier einen Jeep und dort einen Transporter. Auf den Hubschrauber muss man bis zum bitteren Ende warten – und selbst dann ist man nicht sonderlich lange damit unterwegs. Hier hatte Codemastes eindeutig zu viel versprochen. Ärgerlich, da man sehr viel Zeit darin investiert, von einem Kontrollpunkt zum Nächsten zu laufen – und das dauert dann eben auch eine ganze Weile.
Immer mit dabei: Das eigene Team. Dieses kann man per Befehlsmenü theoretisch überall hin schicken und jede erdenkliche Aufgabe erledigen lassen. Theoretisch. Praktisch gestaltet sich das Ganze ein wenig umständlich. Befehle kann man nämlich nur im Stehen geben, was nicht immer vorteilhaft ist. Das eigentliche Problem ist aber der Aufbau des Menüs, mit welchem man die Brüder in Waffen koordinieren soll. Im Kreis sind vier unterschiedliche Kategorien zu sehen, welche weitere Verschachtelungen bieten, sodass man gerade in den Anfangsstunden ewig suchen muss, bis man den gewünschten Befehl gefunden hat. Stunden, in denen man auf Grund dieser Tatsache des Öfteren ins grüne Gras wird beißen müssen, denn die Gegner verteilen ihre Befehle mit Lichtgeschwindigkeit (Oder wie schnell auch immer Bits & Bytes mal eben sind). Was hinzu kommt ist der Umstand, dass sich die Kollegen dann auch nicht immer besonders intelligent anstellen. Manches Mal suchen sie geschickt Deckung und erwidern das Feuer und oft stehen sie im offenen Feld.
Autor: Michael Hoss (mbh)
Erstellt am: 15. Oktober 2009, 13:18 CEST