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Darwinia ist ein Spiel mit einer Vorgeschichte: Bereits im April diesen Jahres erschien der Titel der britischen Introversion Studios, fand aber keinen Publisher. Und so fand abseits des Mainstreams ein Strategiephänomen statt: Mit nun wahrlich unspektakulärer Grafik zog der Titel immer mehr Spieler in seinen Bann – der Direktvertrieb wurde von den Entwicklern organisiert.
Seit dem 14. Dezember ist der Titel auch via Steam zu haben: Valves Verteilungsmaschine macht die Distribution zum risikolosen Vorgang für den Publisher.
Wer gesteigerten Wert auf Bombastgrafik legt, sollte vielleicht an anderer Stelle weiter lesen. Fans von interessantem Gameplay sind hier genau richtig.
Im Computer hört dich keiner schreien

Umkämpft: Die Dimensionstore verbinden die Teile Darwinias
Darwinia wartet mit einem herrlich schrägen Szenario auf: Ein Computergenie namens Dr Sepulveda hat innerhalb eines Computernetzwerks seine eigene Welt erschaffen: Darwinia ist ein gerade zu blühendes Land, mit Bewohnern, Flora und Fauna. Doch scheinbar lief im Netzwerk Windows: So schleicht sich ein bösartiger Virus ein und bedroht die Welt der Darwinians, der Einwohner von Darwinia.
Mehr zufällig gerät der Spieler in den Kamp: Als Virenscanner darf man auf die Jagd nach den Viren gehen. Wer Sober für gefährlich hielt, sollte sein Glück besser nicht auf die Probe stellen…
Gameplay – Ghostbusters
Das Gameplay ist eigentlich einfach erklärt: Mit Waffengewalt sollen die Viren zurückgedrängt werden. Zudem müssen die Darwinianer beschützt werden. Da der aggressive Virus bereits unter den putzigen grünen Männchen gewütet hat, muss zudem die Population wieder gesteigert werden…

Grafisch schon fast ein anspruchsvolles Szenario
Darwinia will also zurückerobert werden: Der Spieler hat die Aufgabe, die über ganz Darwinia verteilten Trunk-Ports, die in etwa mit Dimensionstoren oder Teleportern verglichen werden können, zurückzuerobern und wieder zu aktivieren, so dass man wieder durch Darwinia reisen kann.
Dies geschieht durch intelligente Forschung und natürlich den Einsatz aller verfügbaren bewaffneten Einheiten. Der Spieler startet zumeist mit einer Basis und hat von dort aus die Möglichkeit, in eroberten Gebieten Prozesse – Soldaten, Ingenieure usw. – auszuführen. Mit den Soldaten macht man sich dann auf die Suche nach Viren, die Ingenieurs-Einheiten programmieren Gebäude so um, dass die Nutzung als „Spawnpoint“ wieder möglich ist oder sammeln die Seelen gestorbener Darwinianer ein, die entfernte Viren hinterlassen. Aus diesen werden schließlich wieder neue Darwinianer, die beschützt werden wollen – was sich eher anstrengend gestaltet: Unser Genie Dr. Sepulveda hat die Kollegen nämlich mit einem eigenen Willen ausgestattet, der es unmöglich macht, ihnen direkte Befehle zu erteilen. So muss man erstmal einige Darwinianer zu Offizieren machen, und diese als Richtungsschilder benutzen. Derart indirekt gelenkt, begeben sich die Schutzbefohlenen gerne in sichere Gefilde.
Klingt kompliziert und ist auch nicht immer einfach zu handlen. Dr. Sepulveda hat aber auch durchaus praktischere Elemente. So betreibt der gute Doktor auch Forschung während des Spiels: Der Spieler kann - je nach Ausbaustufe - mehr Einheiten in einem Squad verwalten, auf bessere Waffen zurückgreifen oder die Darwinianer upgraden lassen. Nach eigenem Gusto kann man zudem Prioritäten bei der Forschung setzen.
Technik
Nunja, wenn Darwinia innerhalb eines Computers spielt, so doch eher innerhalb eines C64 – nach heutigen Maßstäben, auch und gerade im Strategiegenre versprüht die Grafik bestenfalls nostalgischen Charme. Zeitgemäß mag das anno 2005 nicht mehr sein, selten aber wurde aus so wenig viel: Das Gameplay braucht gar keine andere Grafik – allerdings sollte man sich vor dem Zuschlagen schon fragen, ob man mit der Grafik leben kann – GFX-Fetischisten sollten vom Titel eher Abstand nehmen.
Enttäuschend auch der Sound – ein Titel ohne Sprachausgabe erscheint heute beinahe absurd. Komischerweise könne diesen beiden Kritikpunkte das Spielvergnügen kaum schmälern – Strategiefans mit einem Hang zur Nostalgie oder dem Willen, mal abseits des Mainstreams zu kommandieren dürfen und sollen zugreifen.

Ein typischer Levelaufbau
Insgesamt aber bietet der Titel viele vergnügliche Stunden Spielvergnügen - wenn man sich auf die etwas ungewohnte Präsentation einlassen kann. Auch das durchaus simple Spielprinzip sorgt für Verwunderung - den Spaß schmählern kann es allerdings nicht.
Autor: Lennart Dahmen (ld)
Erstellt am: 18. Dezember 2005, 16:20 CET