Spielspaß mit sechs Ecken
Die Geschichte von Greed Corp. ist schnell erzählt: Es gab einmal eine Zeit, da haben alle Länder und Fraktionen friedlich neben- und miteinander gelebt, denn es gab Rohstoffe in Hülle und Fülle. Doch eines Tages gab es ein großes Erdbeben, das die Welt weitreichend veränderte und es wurde enger. Die Rohstoffverknappung nahm rapide zu und so gerieten die Fraktionen in Streit und bekriegen sich seither, um möglichst viel Land für sich zu beanspruchen. In der 24 Level umspannenden Kampagne übernimmt man nun nacheinander die Rolle der vier Parteien. Die Geschichte wird dabei lediglich über Text weitergesponnen, sodass Leseratten auf ihre Kosten kommen, Freunde von Zwischensequenzen gehen dagegen leer aus.

Die Erdsäulen bestehen aus abtragbaren Schichten.
Minimalismus scheint generell das Ziel von W!Games gewesen zu sein, denn betrachtet man einmal die Zahlen, so stellt man fest, dass es gerade einmal zwei Einheiten und drei Gebäudetypen gibt. Jeder Stratege wird jetzt schon die Hände vor dem Kopf zusammenschlagen und meinen, dass man damit absolut unterfordert sei, doch dem ist nicht so. Wie spannend und komplex man ein Spiel dennoch gestalten kann, darf man mit Greed Corp. erleben. Fangen wir mit den Einheiten an: Es gibt den Schreiter, der zur Landeroberung dient. Davon können maximal 16 Stück auf einem Feld stehen und ein neues Feld wird nur dann erobert, wenn man mehr Truppen schickt, als der Gegner dort platziert hat. Dann gibt es noch die Ameise, welche ein Flugzeug darstellt, womit man die Schreiter auf entlegene Stellen der Karte transportieren kann. Es geht hierbei also darum, seine Schreiter möglichst geschickt zu platzieren, damit man mehr Land und damit Ressourcen zur Verfügung hat. Ressourcen werden über das Buddler-Gebäude abgebaut. Dabei wird am Anfang des Zuges vom Feld auf dem der Buddler steht und von den angrenzenden Feldern eine Schicht abgetragen und in Geld umgewandelt. Das Tückische dabei ist allerdings, dass ein Feld nur eine gewisse Anzahl an Schichten besitzt. Sind diese abgetragen verschwindet das Feld auf nimmer wiedersehen - mitsamt der darauf befindlichen Einheiten und Gebäude. Der Buddler wird so zur strategischen Waffe, denn platziert man ihn in der Nähe des Feindes kann man diesen ganz schön in Bedrängnis bringen.
Daneben gibt es noch eine Kanone, welche in einem Gewissen Radius dem Gegner das Leben schwer macht. Nicht nur, dass sie Einheiten vernichtet, der Einschlag des Projektils trägt zudem eine Schicht des Feldes ab und reißt gegebenenfalls angrenzende Schichten mit ins Nichts. Die Kanone muss allerdings geladen werden, was wieder eine kleine taktische Bereicherung darstellt, denn gekaufte Munition steht erst in der nächsten Runde zur Verfügung, wenn man jedoch Pech hat nimmt der Gegner just in diesem Moment das Feld mitsamt der Kanone und Munition ein. Als drittes Gebäude wartet noch die Waffenfabrik auf ihren Einsatz. Diese ist nur zur Produktion von Schreitern bestimmt und ist somit der Dreh und Angelpunkt eines jeden Angriffplanes.

Der Tag- und Nachtwechsel hat keinen Einfluss auf das Spielgeschehen.
Das Spielfeld besteht sodann aus Hexfeldern, welche wohl einfach nicht aussterben. Doch das ist gut so, sind sie doch bei rundenbasierten Strategiespielen die beste Wahl. So ist es kein Wunder, dass auch hier diese Art des Spielfeldes zum Einsatz kommt. Die Welten sind dabei abwechslungsreich gestaltet worden und nicht immer ist der direkte Weg zum Gegner der beste und drohende Abgründe - Stichwort Buddler - lassen nach der besten Taktik suchen. Grafisch ist der Titel dabei im Übrigen durchweg gelungen. Menü und Artworks sind in schicken Comicgrafiken gestaltet worden, ingame findet man dann feines 3D, wobei die Einheiten und Gebäude teilweise sehr witzig aussehen, wie beispielsweise die Schreiter der Piraten, welche irgendwie an Star Wars erinnern. Zudem sind die vier Fraktionen mit jeweils einem komplett eigenen Look ausgestattet worden. Das Empire ist beispielsweise laut Story hoch technologisiert, was sich durch viel Metall in deren Artdesign niederschlägt. Die Gesetzlosen sind hingegen sehr naturverbunden, weshalb sie voll und ganz auf den Rohstoff Holz setzen.

Die Draufsicht verschafft manchmal etwas mehr Überblick.
Das Spiel besitzt selbstverständlich auch einen Mehrspielermodus. So kann man online gegen drei Herausforderer antreten, so denn man diese auch findet. In unserem Testzeitraum war es uns leider nicht möglich online jemanden herauszufordern, was wohl auf die noch nicht so große Verbreitung des Spiels zurückzuführen ist. Von daher konnten wir uns nur mit der KI anlegen, welche dafür ausgewogen ausgefallen ist. Sie bereitet Kopfzerbrechen, ohne dabei übermäßig stark zu sein. Ein Sieg gegen den Computer ist also immer drin, wenn man denn die richtigen Entscheidungen trifft.
Mit Greed Corp. ist den Indie-Entwicklern ein kleiner Überraschungshit für Strategen gelungen. Trotz der geringen Einheiten- und Gebäudevielfalt hat man eine verblüffenden Spieltiefe und Taktik erschaffen. Doch der Segen ist zugleich auch Fluch, fehlt es dem Titel auf Dauer leider an Variation. Zwar muss man seine Taktik immer wieder anpassen, doch das Spielgeschehen bleibt das Gleiche. Über die Spielzeit der 24 Missionen reicht das gerade so noch aus, doch für weitere Motivation ist dann leider nicht gesorgt. Alle, die jedoch einen Hauch Interesse an Strategiespielen haben, sollten hier zuschlagen und werden über ca. 8 Stunden gut bedient.
+ einfaches Spielprinzip
+ interessante taktische Möglichkeiten
+ lange Spielzeit
+ gute und fordernde KI
+ schönes Artdesign
- auf Dauer zu wenig Abwechslung
- keine Zwischensequenzen
- schwerer Spieleinstieg durch schwaches Tutorial
Autor: Simon Furkert (sf)
Erstellt am: 13. März 2010, 18:30 CET