Warten auf Forza & Konsorten
Seit geraumer Zeit dominiert Publisher Codemasters den Rennspielsektor mit Leichtigkeit. Während Serien wie Need for Speed in einer Identitätskrise stecken, lassen andere Spiele wie Forza und Gan Turismo immer wieder lange auf sich warten. Und Codemasters? Die erweitern ihre bisherigen Marken und bringen regelmäßig neue Konzepte auf den Markt. Neben dem etwas verunglückten FUEL steht jetzt auch Superstars V8 Racing bereit. Angemerkt sei noch, dass der Titel in Kooperation mit Publisher Black Bean entstanden ist.

Bei seiner Ankündigung wurde das Spiel als Simulation tituliert und möchte sich auch so verstanden fühlen, doch schon vorab müssen wir euch leider mitteilen, dass hier kräftig übertrieben wurde. Das macht auch schon der Umfang des Spiels deutlich: Gerade einmal zehn Strecken und ebenso viele Boliden stehen zur Auswahl. Wobei bei den fahrbaren Untersätzen vorab ein wenig geschummelt wurde: Es hieß, dass man sich zwischen zahlreichen Fahrern entscheiden könne. Das ist soweit auch richtig, doch Tatsache ist, dass jeder zweite Fahrer einen BMW M5 sein Eigen nennt, weshalb die tatsächlichen Autos in ihrer Zahl nicht sonderlich vielfältig ausgefallen sind. Zudem nicht einmal alle Wagen mit Originallizenz daherkommen. Der Fuhrpark besteht zum Teil aus echten Karren und zum Teil aus frei erfundenen Autos, welche aber zumindest reale Vorbilder haben, die Experten sofort einordnen können. Schade ist es trotzdem, dass hier nicht mehr Geld für Lizenzen investiert worden ist.
Neben der fehlenden Abwechslung bei den Boliden und Strecken mangelt es aber auch an anderer Stelle kräftig. So gibt es am Ende genau eine einzige Form von Rennen. Zwar hat man die Wahl zwischen einem schnellen Rennen und der Meisterschaft, doch besteht letztere aus nicht mehr, als einem einzigen Rennen samt vorherigem Training. Das ist nicht gerade das, was man von einer Simulation erwartet. Innerhalb der Veranstaltungen ist es dann die künstliche Intelligenz, welche dem Spieler den Spaß verderben möchte. Hier fährt man einfach nur in einer Linie, ganz brav. Selten gibt es echte Überraschungsmomente und meist sind sie, wenn sie denn auftreten, nicht gerade glaubwürdig. Ein wahres Trauerspiel zeichnet sich hier ab.

Die Tränen fließen dann aber schließlich wirklich. Zumindest, wenn man einen Blick auf die Kollisionsabfrage wirft. Es gibt Zeitstrafen für das Rammen von Gegnern oder das Abkürzen der Strecke – doch irgendwie steckt hier der Wurm im Reifen. Manchmal darf man abkürzen, wie man möchte und es passiert nichts. Dann wieder berührt man auch nur das Grün und bekommt sofort eine Strafe aufgebrummt. Manchmal darf man die Konkurrenz nach Lust und Laune rammen, dann wieder reicht eine leichte Berührung für einen Skandal. Seltsames geht hier im Programmcode vor. Auch ein wenig seltsam ist das Schadensmodell. Es sei noch einmal erwähnt, dass sich Superstars V8 Racing als Simulation verstanden sehen will. Doch selbst nach Unfällen mit Höchstgeschwindigkeiten sehen die Autos noch immer tadellos aus. Nun gut. Einige Beulen gibt es schon – aber Auswirkungen scheinen die Schäden auf das Fahrverhalten nicht zu haben. Da haben selbst die Fahrzeugeinstellungen einen größeren Einfluss, auch wenn man selbst hier ordentlich herumtüfteln muss, bis man dann wirklich etwas merkt. Kleiner Hinweis für Anfänger: Finger Weg vom Autopiloten, denn der fährt wie ein Rentner, der gerade einen Herzanfall bekommen hat. Und das ist leider kein schlechter Scherz.

Bei der technischen Umsetzung gibt es, wie könnte es auch anders sein, ebenfalls herbe Kritik zu vermelden. Auf den Konsolen sieht das Spiel grausig aus, den zahlreichen Treppchen-Effekten sei Dank. Auf dem PC sieht das Ganze, diesmal der Kantenglättung sei Dank, schon eine Ecke besser aus. Doch auch hier wissen nur die Wagen selbst zu überzeugen. Die Strecken sind trist und wenig beeindruckend ausgefallen. Die Entwickler haben versucht, diese Macken durch einen hohen Bloom-Faktor wieder auszugleichen, doch gelungen ist das Vorhaben eher schlecht als recht. Der Sound ist ebenso uninspiriert wie die Optik: Das Motorengehäul ist ganz nett, aber ein wenig schwach auf der Brust. Und die Musik in den Menüs ist auch nicht gerade das Gelbe vom Ei. Wirklich schlimm ist aber die Steuerung. So richtig wollen sich die Wagen nicht unter Kontrolle bringen lassen. Selbst bei voller Motorenleistung lassen sie sich gerne auch mal butterweich lenken, um dann in der kleinsten Kurve urplötzlich auszubrechen. Spaß werden Simulations-Fetischisten hier jedenfalls nicht haben.
Was bleibt ist ein Spiel, das für kaum eine Zielgruppe geeignet zu sein scheint. Sicherlicht hat Superstars V8 Racing gute Ansätze, doch wurde nicht einer davon bis zum Ende konsequent umgesetzt. Wer unbedingt wieder ein Rennspiel benötigt, der sollte dann doch lieber noch bis zum September warten, wo das neue Forza erscheinen soll.
Autor: Michael Hoss (mbh)
Erstellt am: 29. Juli 2009, 00:01 CEST