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Leisure Suit Larry Box Office Bust

eXp Review Fazit Kommentare (1)
eXp-Rating:1
Developer: Team17 Software
Publisher: Codemasters
Genre: Point & Click
Releasedate: 27.03.2009
Weitere Plattformen: pc ps3

Requiem for a Creampie

Ihr erinnert euch vielleicht daran, wie die Wachowski-Brüder den Ruf ihres Actionklassikers Matrix mit zwei komplett unnötigen Fortsetzungen nachhaltig ruiniert haben. Wie George Lucas mit der zweiten Star-Wars-Trilogie gehörig an dem Kultstatus der ersten drei Filme gerüttelt hat. Wie die einst so spaßige Need-for-Speed-Serie von EA nach und nach in die Belanglosigkeit überführt wurde. Vergesst das alles! Codemasters und Team 17 zeigen euch anhand von Leisure Suit Larry: Box Office Bust, wie man ein Franchise so richtig in die Kacke reitet.

ThumbnailIn Onkel Larrys Filmstudio nimmt die Katastrophe ihren Lauf...

Nun muss der Fairness halber gesagt werden, dass das Spiel von der ursprünglichen Larry-Serie weiter entfernt ist als das Nachtprogramm von RTL2 von niveauvoller Fernsehunterhaltung. Unter der Regie von Serienschöpfer Al Lowe trottete der liebenswürdige Loser und Möchtegern-Frauenheld Larry Laffer im titelgebenden weißen Anzug durch insgesamt sechs kultige Adventures und fiel bei seinen Avancen dem anderen Geschlecht gegenüber häufig auf die große, runde Nase. Nach dem sechsten bzw. siebten Teil Yacht Nach Liebe (der vierte Teil ist nie erschienen, in der Nummerierung machte die Serie daher einen Sprung von 3 auf 5) trennten sich jedoch die Wege von Lowe und Sierra, dem damaligen Publisher der Serie. Wenig später wurde die Lizenz an Codemasters verkauft, die mit Magna Cum Laude einen Neustart der Serie wagten, dabei aber das ursprüngliche Adventure durch simple Jump’n’Run-Minispielchen austauschten und nicht mehr Larry Laffer, sondern dessen Neffen Larry Lovage zum Protagonisten erklärten. Trotz dieser Änderungen und einer fragwürdigen Synchronisation durch Oliver Pocher war Magna Cum Laude immerhin noch einigermaßen unterhaltsam, auch wenn Lowe keinen Hehl aus seiner Meinung zu dem Spiel macht.

In Box Office Bust kehrt Larry Lovage nun zurück und versucht erneut in die Fußstapfen seines Onkels zu treten. Dieser ist inzwischen zum Leiter eines erfolgreichen Schmuddelfilm-Studios aufgestiegen und vermutet, dass ein Maulwurf in seinen eigenen Reihen versucht, ihn zu sabotieren. Daher beauftragt er seinen Neffen damit, diesen Verräter ausfindig zu machen – was dieser nur allzu gern annimmt, bietet sich dadurch ja die Aussicht, viele großbusige Starlets klarzumachen. Das klingt nach einer Menge Spaß, oder? Nun, hätte es vielleicht sein können, wenn die Entwickler nicht konsequent jeden, aber auch wirklich jeden Aspekt des Spiels in die Tonne gesetzt hätten.

ThumbnailSchmuddelfaktor adé: Freizügiger als auf diesem Bild wird es nicht.

Das beginnt bereits im Protagonisten. Larry Lovage mag der gleiche notgeile Versager wie sein Onkel in früheren Zeiten, ist aber davon abgesehen uninteressant, unsympathisch und auf längere Zeit auch vollkommen unerträglich. Wo sein Onkel unter Al Lowe mit einer Riesenportion Charme und scharfzüngigen und zweideutigen Sprüchen glänzte, kommentiert Lovage das Geschehen mit Sätzen wie „I like porn“ und zahllosen flachen Masturbationswitzen. Überhaupt legen die Humorversuche der Autoren regelmäßig eine Bauchlandung hin. Kaum ein Gag sitzt, das Wortspiel im Titel darf man schon zu den wenigen Höhepunkten des Spiels zählen, ansonsten zielen die „Witze“ in erster Linie auf eine präpubertäre Zielgruppe, die man mit der Freigabe ab 12 Jahren wohl auch erreichen kann. Die ist übrigens auch vollkommen gerechtfertigt: Das schmuddelige 70er-Jahre-Softsex-Flair der früheren Teile mag zu keiner Zeit aufkommen, in jedem Hiphop-Video geht es anrüchiger zu.

Das Spiel selbst ist schlichtweg eine Beleidung eines jeden Spielers. Zumeist gibt sich Box Office Bust als recht akkurate Laufburschen-Simulation: Ihr holt – manchmal mit einem Zeitlimit – irgendwo auf dem frei begehbaren Studiogelände einen Gegenstand ab und bringt diesen zu einem anderen Ort, der oftmals am anderen Ende der Karte liegt. Um das ein wenig zu beschleunigen, stehen euch auch ein paar Fahrzeuge zur Verfügung, die sich jedoch so gut steuern lassen wie ein mit Stahlträgern bepackter Einkaufswagen auf einer Eislaufbahn. Habt ihr den Gegenstand abgeliefert, folgt meist eine kurze Zwischensequenz und das Spielchen beginnt von vorne. Ab und zu erfordern diese Missionen auch den Einsatz eurer Sprungfähigkeiten. Aufgelockert werden soll das Ganze zusätzlich durch einige Minispiele, wenn ihr durch das Auswählen der richtigen Kameraperspektiven eine Szene drehen sollt oder aus vier Antwortvorgaben eine auswählen müsst, um das weibliche Studiopersonal zu bezirzen. Immer wieder träumt sich Larry außerdem in Filmhandlungen hinein, sodass ihr für kurze Zeit beispielsweise in einem Western landet und dort die gleichen langweiligen Aufgaben erfüllen dürft.

ThumbnailLarry träumt sich auf die Bitanic - immerhin haben die Autoren hier auf das offensichtlichste Wortspiel verzichtet.

Beachtenswert ist dabei, dass Team 17 (denen ich allein für das Spielprinzip von Worms auf ewig dankbar sein werde) selbst bei solch simplen Aufgaben so ziemlich alles in den Sand gesetzt haben: Die Steuerung ist offenbar auf drei Hände ausgelegt, da sich auf beide Tastaturseiten und die Maus verteilt, die Kameraführung – innerhalb von Gebäuden ist die Perspektive grundsätzlich fixiert – tut ihr bestes, euch eine gezielte Orientierung unmöglich zu machen. Das Checkpointsystem lässt euch grundsätzlich den letzten großen Laufweg noch einmal ableisten – und das werdet ihr oft genug erleben, da die dermaßen miserable Kollisionsabfrage jede noch so kleine Jump’n’Run-Einlage zur Geduldsprobe macht. Ebenso nervtötend sind die zahlreichen Quicktimesequenzen ausgefallen, die sich manchmal über mehrere Minuten erstrecken und euch bei jedem Fehler von vorne beginnen lassen. Den absoluten Tiefpunkt erreicht das Spiel jedoch erst bei den wohl schlechtesten Prügelsequenzen der jüngeren Videospielgeschichte. Mit ganzen drei Aktionen – Schlag, Block, Sprungkick – setzt ihr euch hier gegen Angreifer zu Wehr, die so viel Überlebenswillen wie Lemminge zeigen und deren Attacken so treffsicher sind wie Mario Gomez in der Nationalmannschaft.

Ein Blick auf die technische Seite des Spiels zeigt, wohin ein Großteil des Budgets geflossen sein muss. Die oberste Erkenntnis hier: Auch mit der teuren und fähigen Unreal-3-Engine lassen sich hässliche Spiele entwickeln! Trotz eines äußerst einfach gehaltenen Cartoon-Looks ruckelt das Spiel selbst auf High-End-Rechnern, in mittlerer Ferne verwandeln sich Texturen in grobkörnigen Pixelmatsch, das Design der Charaktere ist schlichtweg grauenhaft und das Studiogelände ist ähnlich belebt wie die Innenstadt Hintertupfingens um Mitternacht. Zu allem Überfluss wird das Spiel dann auch noch andauernd durch lange Ladepausen unterbrochen. Musikalische Untermalung gibt es nur während der Missionen, ansonsten herrscht Stille. Die Liste der Synchronsprecher ist immerhin recht namhaft: Jeffrey Tambor und Jane Lynch kennen gute Menschen aus der genialen Sitcom Arrested Development, und wer um die Jahrtausendwende im jugendlichen Alter war, wird sich durch Teenie-Komödien und Fotostrecken in Männermagazinen auch noch an Shannon Elizabeth und Carmen Electra erinnern. Durch die dümmlichen Dialoge war hier aber eh schon Hopfen und Malz verloren. Für eine deutsche Synchronisation war dann kein Geld mehr übrig, des Englischen nicht mächtige Spieler müssen sich mit Untertiteln begnügen.

Autor: Julian Unkel (ju)
Erstellt am: 05. April 2009, 17:07 CEST

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