Zwischen eigenständigem Spiel und TrackPack
Mit AC/DC Live Rockband wandelt EA auf den Pfaden des Konkurrenten Guitar Hero. Dort gibt es mit GH: Aerosmith und bald GH: Metallica ähnliche Ansätze, ein Spiel auf eine einzige Band zu trimmen. Leider patzt EA dabei gewaltig, denn eigentlich bekommt man nur ein simples Track-Pack serviert. Anfänglich klingt es jedoch alles sehr gut. AC/DC, also eine der Kult-Rock-Bands überhaupt, für ein Spin-Off des Originalspiels zu nutzen, scheint den Erfolg zu garantieren. Dass man dann auch noch die Stücke eines Livekonzertes dafür verwendet, lässt die Herzen höher schlagen. Doch der Schein trügt ein wenig, denn es gibt neben den Liedern nichts von AC/DC zu sehen.

Die Lieder sind von AC/DC, mehr gibt es von der Band im Spiel leider nicht zu sehen.
Nach dem Einlegen der Disk erscheint der Hauptbildschirm von Rock Band. Schon hier wird irgendwie deutlich, dass es wenig Bezug zwischen der Band und dem Spiel zu geben scheint, denn nirgends erblickt man die Abbildungen von Angus Young und Co. Nun gut, die tauchen dann bestimmt auf der Bühne auf oder man baut sie eben selber im Charaktermenü. Doch leider gibt es dieses Menü nicht. Dann also losrocken und zu den Hits als eines der Bandmitglieder auf der Bühne abrocken. Leider auch hier Fehlanzeige: auf der Bühne stehen lediglich per Zufall generierte Musiker. Eine Einheit aus Spiel und Band ist also auch hier nicht zu erkennen, das macht die Konkurrenz besser. Da man nicht mal ein paar Anekdoten der Band in den Ladepausen zu lesen bekommt oder ein Interview oder ein Musikvideo zu sehen, fragt man sich, wofür man nun gut 40 Euro bezahlt hat. Die Antwort: für 18 Songs. Das macht also 2,20 Euro pro Lied - ein happiger Preis, wenn man ihn mal mit den Kosten für DLC auf Xbox360 und PS3 vergleicht. Aber dem geneigten Wii-Spieler steht dieser Weg ja nicht offen, weshalb man schon beinahe dankbar für eine Disk-Veröffentlichung ist. Dennoch hätte man sich für den stolzen Preis schon etwas mehr Inhalt erhofft.

Zu viert macht Rock Band Spaß, zumindest wenn alle spielen dürfen.
Was an Spielumfang fehlt, wird einem dann in spielerischer Hinsicht allemal geboten. Die Livetitel machen einfach Spaß und anders als in Studioversionen gibt es bei einigen Liedern improvisierte Soli, welche man auf den Plastikgeräten nachspielen muss. Das hat jedoch teilweise auch Nachteile, denn Soli von Livemitschnitten sind meist nicht gerade kurz. Spielt man also mit Freunden, sitzt ein Teil der Band während eines Solos länger regungslos da und wartet auf den erneuten Einsatz. Bestes Beispiel hierfür ist das Stück Jailbreak, welches mit drei Gitarrensoli daherkommt und damit beinahe unendlich lang erscheint. Der Schwierigkeitsgrad ist dafür angenehm ausgewogen, so werden Profis in den höheren Schwierigkeitsgraden gefordert und Einsteigern, die möglicherweise nur durch dieses Spiel zur Gitarre greifen, stehen in den leichteren Stufen Erfolgsergebnisse offen. Ein Genuss ist es auch, sich in Gedanken neben Dave Evans zu stellen und gemeinsam mit ihm die Stücke zu singen. Da das Publikum auch noch mitgröhlt, fühlt man sich wirklich mittendrin, statt nur dabei.
Ein Fazit zu ziehen fällt schwer, denn einerseits bietet AC/DC Live Rockband besten Sound und Spielspaß. Auf der anderen Seite bekommt man nicht mehr als ein 18 Titel umfassendes Stand-Alone-Add-On, ohne dass die Band dabei in den Mittelpunkt gestellt wurde. Fans der Musik oder auch fanatischen Platikgitarrenrockern wird das genügen, alle andern werden im Vergleich zum Originalspiel einiges vermissen und sollten sich überlegen, ob ihnen Thunderstruck, TNT und Co. reichen, um den Geldbeutel zu plündern.
Autor: Simon Furkert (sf)
Erstellt am: 30. März 2009, 14:37 CEST