Lasst die Colts sprechen
Langsam weht der Wind durch die verlassene Hauptstraße der Westernstadt. Auf der linken Seite ein Saloon, auf der rechten der örtliche Totengräber. Frauen und Kinder sind in Sicherheit gebracht und auch der Rest der Bevölkerung hat sich in die Sicherheit ihrer Häuser zurückgezogen. Zwei Männer bleiben einsam zurück. Mit langsamen Bewegungen schleichen sie umeinander. Immer darauf bedacht den Abstand zum Gegenüber zu ihrem wahren, während sie - und das ist viel wichtiger - die Hand dicht am Halfter des eigenen Gürtels und damit an dem Colt haben, der ihr Leben retten könnte. Plötzlich ertönt die Kirchenglocke. Beide ziehen ihre Waffen, aber nur einer wird als Sieger das Schlachtfeld verlassen.

Willkommen in den Südstaaten. Es herrscht Bürgerkrieg.
Mehr als einmal wird der Spieler diese Situation in Call of Juarez: Bound in Blood vorfinden, in der es für ihn nur um eines geht: Den eigenen Colt schneller zu ziehen, als sein Gegenüber. Dabei übernimmt er die Rolle von einem der beiden McCall-Brüder Ray bzw. Thomas. Zu Beginn des Spiels befinden sich diese im Amerikanischen Bürgerkrieg, in dem sie direkt an der Front kämpfen. Doch schnell verabschieden sie sich und gelten fortan als Deserteure. Außer Trauer und Verlust hat er ihnen sowieso nicht viel gebracht. Die eigene Farm ist zerstört und aus den beiden Brüdern sind verbitterte Gauner geworden. So machen sie sich, zusammen mit ihrem dritten Bruder William - welcher sein Leben dem Weg Gottes verschrieben hat - auf den Weg, um den sagenumwobenen Schatz von Juarez zu finden, mit dem sie ihre Farm erneut aufbauen wollen. Zunächst geht es für sie noch genau darum, doch mit Verlauf der Story geraten sie immer mehr in einen Sumpf von Liebe, Gold und Gewalt. Das vermeintliche Ende der Geschichte bekommt der Spieler dabei gleich zu Beginn des Games präsentiert, wenn sich Ray und Thomas einander gegenüberstehen und die Waffen auf den jeweils Anderen richten.
Wie bereits angesprochen, startet die Geschichte Von Call of Juarez: Bound in Blood im Amerikanischen Bürgerkrieg und dieser wird genutzt, um den Spieler anhand eines kleinen darin integrierten Tutorials in die Spielmechanik einzuführen. Hier werden kurz die Möglichkeiten vorgestellt, die jeder der beiden Brüder mit sich bringt. So ist Ray der Pistolero der beiden und liebt es, sich mit rauchenden Colts einfach in die Mitte des jeweiligen Gefechts zu stellen, um dem Gegner den Garaus zu machen. Standardmäßig hält er dafür einen Colt in jeder der beiden Hände. Der Spieler kann diese unabhängig voneinander mit den Triggern des Controllers bedienen und hat somit die Möglichkeit, seine Schusskraft genau auf die jeweilige Situation anzupassen. Darüber hinaus kann sich Ray mit Dynamit noch ein bisschen mehr Respekt verschaffen. Sein Bruder Thomas hingegen ist eher der ruhige und besonnene Typ, was sich auch in dessen Bewaffnung wiederspiegelt. So hält er normalerweise nur einen Colt in seiner Hand oder nutzt seine Shotgun mit beiden. Außerdem besitzt er die Möglichkeit, sich per Lasso an von den Entwicklern dafür vorgesehenen Stellen hoch zu hangeln, um so entferntere Orte zu erreichen. Generell ist Thomas der agilere der beiden Brüder, denn meist klettert er ohne Probleme an Fels- oder Hausvorsprüngen empor, wo Ray dann auf seine Hilfe angewiesen ist. Und genau diese Hilfestellung muss der Spieler ihm, sofern er die Rolle von Thomas übernimmt, von Zeit zu Zeit auch geben. An diesen Stellen möchte man den Entwicklern förmlich den Kopf dafür abreißen, dass sie keine Coop-Modus in das Spiel integriert haben, denn bis auf die eine oder andere sehr kurze Ausnahme sind Ray und Thomas ständig gemeinsam unterwegs.

Die McCall-Brüder Ray und Thomas machen sich keine Freunde.
An diesem Beispiel kann man bereits erkennen, dass sich in dem Game vieles um den Bund der Brüder zu- und miteinander dreht. Der Titel des Spiels ist also passend gewählt. Aber auch in den Gesprächen zwischen William, Ray und Thomas ist dies zu merken. Seien es die Zwischensequenzen zu Beginn und am Ende jeder Mission, oder die kurzen Sprüche innerhalb des Gameplays. So entstehen zum Beispiel kurze und hitzige Wortgefechte zwischen Ray und Thomas, wenn einer der beiden einen Gegner anschießt und der Andere ihm den Rest gibt. Schade nur, dass man hier einen recht geringen Wortschatz eingebaut hat, so dass sich die Sprüche der beiden relativ schnell wiederholen und der Spieler bereits nach kurzer Zeit die Möglichkeit hat, einzelne Teile der Konversation mitzusprechen. Dabei raten wir jedem Spieler das Spiel in der englischen Sprachausgabe zu spielen. Nicht nur, weil hier ein absolutes Südstaaten-Feeling aufkommt bei der Aussprache der Protagonisten, sondern weil sich die deutschen Stimmen seit unserer Preview-Version natürlich nicht mehr austauschen ließen und daher absolut schrecklich sind. Wer auf eine packende und atemraubende Westernstory gehofft hat, der wird in Call of Juarez: Bound in Blood leider ebenso enttäuscht. Die 5-6 Stunden an Spielzeit sind relativ schnell und ohne viel Schnörkel erzählt und so durchsichtig, wie man es von Anfang an wahrscheinlich erwartet hat. Dies ist unter anderem auch an dem Fakt zu verschulden, dass es lediglich einen einzelnen Storyfaden gibt.
Autor: Andre Cedik (ac)
Erstellt am: 13. Juli 2009, 22:35 CEST