Zurück an der Tabellenspitze
Es war einmal ein Computerspielehersteller, der mit seiner Fußballspiele-Reihe jedes Jahr großen Profit einfuhr. Auch, weil es keine ernstzunehmende Konkurrenz gab. Doch dann kam von weither aus dem fernen Osten eine zweite Firma und brachte ein optisch deutlich unscheinbareres Spiel auf den Markt, das aber spielerisch überzeugen konnte. Und das, obwohl die Spieler dort fremdartig hießen. Dem bisherigen Primus wurde klar: Hier muss man sich mehr Mühe geben. Und schon im letzten Jahr kratzte die Fifa-Reihe mit aller Macht am verlorenen Thron. Dieses Jahr schnappt man sich ihn mit Fifa 09 endgültig zurück. Hoffen wir nur, dass die Weiterentwicklung des Spiels nun nicht wieder stagniert.

Die Spieler sind allesamt äußerst detailliert.
Ein Fußballspiel ist ein Fußballspiel ist ein Fußballspiel. Sollte man jedenfalls meinen. Und natürlich hat sich am grundlegenden Spielprinzip nichts getan. Wie auch? Noch immer jagen 22 Spieler dem Ball hinterher und Schiedsrichter mimen den Spielverderber. Abseits dieser Grundlagen sind die Veränderungen aber enorm: Mit Fifa 09 schreitet eine Entwicklung voran, die auch schon in den letzten Spielen der Fifa-Reihe und ihrer Turnier-Ableger beobachtet werden konnte: Das Spiel wird dynamischer, schneller und taktischer. Der Spielfluss ist hier deutlich schneller geraten als noch beim Vorgänger, die Ballphysik wurde überarbeitet. Diese ist zwar weiterhin nicht perfekt - vor allem bei einem Zusammenprall zweier Spieler schießt der Ball noch viel zu schnell und leicht quer über das Feld -, insgesamt fühlt sich die Pille allerdings sehr realistisch an.
Überarbeitet wurde auch die künstliche Intelligenz der Spieler, die auch schon im vergangenen Jahr massiv verbessert wurde. So rennen die Stürmer nun nicht mehr ganz so häufig weit ins Abseits und die Positionierung bei schnellen Angriffen wurde auch deutlich verbessert. Allerdings hat jeder Mannschaftsteil seine weiterhin seine ganz eigenen Probleme: Stürmer laufen gerne zu weit auf der Außenbahn, ziehen nicht rechtzeitig in den Strafraum und lassen sich bei 2-gegen-1-Situation nicht seitlich hinter den ballführenden Spieler zurückfallen (was bei einem Pass die Abseitsregel umgehen würde). Die offensiven Mittelfeldspieler rücken gerade bei Kontern noch nicht schnell genug nach, die Abwehrreihe steht zwar hinten sehr sicher, verhält sich aber hohen Bällen immer noch nicht ideal. Und die Torhüter versauen einem mit unerklärlichen Aussetzern so manche schon sicher gewonnen geglaubte Partie. Auch eines der Hauptprobleme von Fifa 08 wurde immer noch nicht gelöst: Lediglich der ausgewählte Spieler nimmt den Ball auch an, was dazu führt, dass Querschläger häufig von in der nähe stehenden Spielern ganz einfach nicht beachtet werden.
Im Spielverlauf fallen diese Punkte aber lediglich in wenigen Situationen wirklich auf, die meiste Zeit über bietet Fifa 09 schnellen und taktisch anspruchsvollen Spitzenfußball. Bereits vor dem Spiel könnt ihr nun eure eigenen Taktiken definieren und genau einstellen, wie sich eure Spieler in bestimmten Situationen verhalten sollen. Während der Partie könnt ihr Taktiken problemlos umschalten, und das sogar ohne dazu ins Hauptmenü zu wechseln. Über die Pfeiltasten des Digipads gebt ihr auf fünf Stufen von "sehr defensiv" bis "sehr offensiv" die allgemeine Ausrichtung des Teams vor, schaltet zwischen vier vorher festgelegten Taktiken um (soll die Mannschaft in jeden Zweikampf gehen oder eher auf Konter spielen?) und könnt schnelle Aktionen für die derzeitige Spielsituation festlegen, um etwa den Gegner in eine Abseitsfalle laufen zu lassen oder einen der Innenverteidiger mit den Angriff zu nehmen. Egal ob ihr also präzises Kurzpassspiel durch die Mitte, hohe Flügelwechsel oder englisches Kick-And-Rush-Spiel bevorzugt, mit den richtigen Einstellungen lassen sich auf jede Weise Spiele gewinnen.

Die Atmosphäre beim Blick ins weite Rund ist gigantisch.
Und Siege sind schließlich das Salz in der Suppe eines jeden Fußballspiels. Die gibt es in Fifa 09 übrigens in allen Variationen - der Titel bietet nämlich einige Spielmodi. Neben den klassischen Ligen, Turnieren und Freundschaftsspielen gibt es auch wieder den Be-A-Pro-Modus, in dem ihr das Spiel aus der Perspektive eines vorher ausgewählten Spielers erlebt, in verschiedenen Ausprägungen. Während ihr vergangenes Jahr hier nur in einzelnen Matches trainieren konntet, wurde dieser nur um einen Karrieremodus erweitert: Ihr schlüpft in den Körper eines eigens erstellten Spielers, den ihr dann die gesamte Saison über steuert und müsst fortan vorgebene Ziele erfüllen und erspielt so Erfahrungspunkte und andere Belohnungen. Den größten Langzeitspaß verspricht aber wieder einmal der Managermodus, in dem ihr euer Lieblingsteam über mehrere Jahre hinweg durch die Liga und sämtliche erreichten Pokale begleitet, und euch nebenher als Manager um Transfers, Spielerentwicklung und sonstige Aufgaben kümmert.
Der geheime Star des Spiels ist allerdings das Menü: Wie auch schon in den Vorversionen hat man Fifa 09 hier einen Arenamodus spendiert, in dem der Spieler in Hinterhöfen, Wohngegenden oder Großstädten alleine gegen den Torwart antritt. Mit diesem Gimmick kann man nicht nur ausgiebig Bewegungen, Tricks und Schüsse trainieren, sondern auch Ladezeiten überbrücken. Während man auf den Anpfiff wartet, trickst man eben noch ein wenig. Und weil EA wohl weiß, welch Suchtpotential hier versteckt ist, "beamt" das Spiel den Arenamodus nach Vollendung des Ladevorgangs ins Stadion - hier kann man entweder weiter spielen oder man lässt das Spiel beginnen.
Autor: Julian Unkel (ju)
Erstellt am: 08. Oktober 2008, 18:57 CEST