Schwing das Ding!
Die Fußball-EM ist vorübergegangen und Deutschland merkt so langsam aber sicher, dass es tatsächlich auch noch andere Sportarten gibt. Tennis ist solch eine Sportart, die momentan wieder einmal auf dem Vormarsch ist. Gerade erst konnte man die spannenden Wimbledon Championships bestaunen, bei denen Rafael Nadal im Herreneinzel einen glanzvollen Sieg einfahren konnte. Wer so einen Ballwechsel einmal selber nacherleben möchte, aber nicht die nötigen Kräfte beisammen hat, sollte vielleicht zur virtuellen Variante greifen. Passenderweise ist nun der dritte Teil der bekannten Top-Spin-Reihe in die Läden gekommen.

Wer die Playstation-3-Version erstanden hat, muss zunächst ein kleines Update herunterladen. Nach diesem Prozedere kann es jedoch immer noch nicht losgehen, denn bei Top Spin 3 bedarf es einer Installation auf die Festplatte der Konsole, was wieder einmal kostbaren Speicherplatz kostet. Sobald die Minuten des Wartens aber abgelaufen sind, darf sich der interessierte Tennis-Anwärter ins Vergnügen stürzen. Nun gut – vielleicht nicht ganz, denn zuvor sollte man die Schulbank drücken. Was früher möglicherweise lästig erschien, ist bei diesem Titel mehr als sinnvoll. In diesem Tutorial werden nämlich alle wichtigen Dinge erklärt, die ein Anfänger zum Einstieg benötigt. Hat man die grundlegenden Kenntnisse erlangt, können auch noch weitere Übungen absolviert werden, die auf die speziellen Moves etwas näher eingehen. Hier haben sich die Entwickler sichtbare Mühe gegeben, sodass die Steuerung schnell erlernt ist. Trotzdem bedarf es noch reichlich an Übung, denn Top Spin 3 ist nicht gerade einfach – dazu aber später mehr.
Der Schaukampf steht im Hauptmenü an der ersten Stelle. In diesem Bereich darf ein einfaches Match gestartet werden – dazu stehen mehrere Einstellungsmöglichkeiten bereit. Wem dies allerdings zu langweilig ist, sollte doch gleich ein Turnier beginnen. Der Titel bietet hier gleich haufenweise Turniere – von den US Open bis hin zu den Hamburg Open sollte eigentlich jeder Sportler etwas finden. Bestritten werden die Herausforderungen in diesem Modus übrigens mit einem bereits bekannten Tennisspieler, der natürlich selbst gewählt werden kann.
Berühmte Profis, darunter Rafael Nadal, Tommy Haas, Roger Federer, Maria Sharapova und viele andere Legenden bereiten ein rundes Bild. Als deutscher Vertreter gesellt sich Boris Becker zu der breiten Auswahl hinzu. Gegen reale Kontrahenten darf man im Onlinemodus antreten, in dem bis zu vier Spieler (im Doppel oder Einzel) einen Platz finden. Zunächst kann natürlich ein einfaches Match bestritten werden – abgesehen davon ist gleich eine ganze Welttour vorhanden, die in Angriff genommen werden kann.
Das Herzstück von Top Spin 3 ist eindeutig der Karrieremodus. Dabei geht es jedoch nicht mit einem Profi zur Sache, sondern mit einer eigenen Figur, die selbst kreiert werden darf. Der virtuelle Charakter darf von oben bis unten verändert werden, sodass am Ende ein einzigartiger Spieler herauskommt. Es dürfen auch Details, wie Name und Herkunft, verändert werden. Nun geht man zunächst als Amateur gegen andere Sportler ins Rennen. Alle Erfolge und Niederlagen werden dabei stetig im Spielerpass verewigt. Hat man sich in den ersten Herausforderungen durchsetzen können, erlangt der Spieler auch gleich seine erste Wildcard zu einem richtigen Turnier. Von der Vorrunde bis zum Finale muss die Platzierung hart erkämpft werden, damit die Figur im Rang weiter aufsteigen kann.
Sofern dies auch wirklich geglückt ist, wartet gleich eine ganze Saison auf den Sportler. In jedem Monat kann ein Turnier bestritten werden. Der passende Kalender gibt einem direkt Auskunft über die anstehenden Herausforderungen – dabei kann auch gleich ein ganzer Monat übersprungen werden. Dann besteht aber die Gefahr, dass die angepeilte Platzierung am Ende der Saison nicht mehr erreicht werden kann.

Insgesamt ist die gesamte Karriere gut durchdacht und bringt durchaus auch seinen Spaß mit sich, aber leider gestaltet sich dieser Abschnitt viel zu linear. Zwar kann man hin und wieder zwischen mehreren Herausforderungen wählen, letztlich wird einem jedoch ein Gegner nach dem anderen vorgesetzt. Immerhin können die Werte des eigenen Spielers mit der Zeit individuell verbessert werden. Mit jedem Sieg erlangt man nämlich Erfahrungspunkte – sie können verschiedene Attribute (Vorhand, Rückhand, Kraft, Tempo, usw.) aufbessern. Außerdem kann man sich hin und wieder auch über Geldpreise freuen. Zahlreiche Geschäfte stehen bereit, in denen die Moneten ausgegeben werden können. Dabei kommen übrigens viele Lizenzen zum Einsatz – so zum Beispiel beim Kauf neuer Schuhe von Adidas oder Nike.
Tennis ist halt Tennis und dementsprechend gestaltet sich eben auch das Gameplay. Insoweit sicherlich keine große Überraschung, Top Spin 3 macht trotzdem einige Fortschritte. Der dritte Teil der Reihe rückt nämlich weiter in die Richtung der Simulation. Somit wurde das Spieltempo etwas heruntergesetzt, sodass auch alles realistisch aussieht. Das macht das Spiel aber nicht leichter. Zwar stehen mehrere Schwierigkeitsstufen zur Auswahl, trotzdem ist Top Spin 3 stets fordernd. Wichtig ist bei dem neuen Ableger vor allem das rechtzeitige Ausholen mit dem Schläger. Je früher die Aktionstaste gedrückt wird, desto stärker wird am Ende der Schlag. Allerdings wird die Flugrichtung des Balls häufig erst spät erkannt, sodass passende Reaktionen teilweise recht schwierig sind. Von Bedeutung ist außerdem die Ausdauer, die man anhand einer Anzeige sehen kann. Bei anstrengenden Herausforderung schnellt die Herzleistung nach oben und nach einiger Zeit zeigen die Kontrahenten erste Ermüdungsanzeichen. Zwar bedarf es bei Top Spin 3 einer langen Eingewöhnungszeit, das simulationslastige Gameplay weiß insgesamt trotzdem zu gefallen.
Die Technik des Spiels kann definitiv überzeugen. Im Bereich der Grafik trumpfen vor allem die geschmeidigen Animationen der einzelnen Figuren auf. Jeder Spieler hat eine andere Körperhaltung und einen individuellen Ausdruck – solche Feinheiten wissen zu überzeugen. Die einzelnen Arenen sind ebenfalls bestens in Szene gesetzt. Ob man nun in München, London oder in einer anderen Stadt antreten muss, schöne Licht-/ sowie Schattenspiele werden geboten und auch sonst sehen die kräftigen Farben einfach gut aus. Von den Zuschauern kann dies jedoch nicht behauptet werden. Sie sehen hölzern aus und können den Stadien einfach kein Leben einhauchen.

Die Soundeffekte halten sich in Top Spin 3 dezent im Hintergrund. Neben den Stöhnlauten der Spieler und einigen Ballgeräuschen sollte man also nicht zu viel erwarten. Leider fährt sich dieser Titel mit dem Applaus der Zuschauer einen Negativpunkt ein, denn das Klatschen will nach einiger Zeit nur noch nerven. Hintergrundmusik ist während des Spielens nicht vorhanden – eben ganz wie beim realen Vorbild. Dafür werden die Ohren in den Menüs mit rockigen Klängen verwöhnt. Positiv fällt auch die Steuerung ins Gewicht der Wertung, denn sie ist präzise und intuitiv zugleich. Die Tastenverteilung kann ebenso punkten – das Verrenken der Finger ist also nicht nötig.
Autor: Daniel Dyba
Erstellt am: 09. Juli 2008, 11:48 CEST