Helghan muss fallen!
Als im Jahre 2004 Killzone auf den Markt kam, waren zahlreiche Fans enttäuscht, denn vorab hieß es, dass eben jener Titel die Playstation-Antwort auf Halo sein würde. Doch so ganz reichte es für die Eroberung des Throns der Konsolenshooter nicht. Dennoch konnten zahlreiche Einheiten verkauft werden. Nun steht Killzone 2 in den Läden. Und mit diesem Titel haben die Entwickler ihr Versprechen endlich eingehalten.

Die Geschichte ist nahezu die Gleiche: Einmal mehr ziehen die Menschen in den Krieg gegen die Helghast. Auf dem Heimatplaneten der Helghast soll zum letzten Schlag ausgeholt werden, der Anführer mit dem Namen Scolar Visari soll gefangen und zur Rechenschaft gezogen werden. Mit diesem Angriff der Extraklasse soll der Krieg endlich beendet werden, die Helghast sollen die ISA nie wieder angreifen können. Der Spieler schlüpft bei der Invasion in die Haut von Tomas „Sev“ Sevchenko, einen erfahrenen Soldaten des Alpha-Teams, einer Spezialtruppe. Mit dem Team an seiner Seite gilt es, zahlreiche Gefahren zu bestehen und dem Krieg ein Ende zu setzen. Doch wie so oft in der Geschichte der Spiele ist all dies nicht ganz so einfach, wie ursprünglich gedacht.
Mit dieser Story gewinnt Killzone 2 sich keinen Oskar, doch um für einen richtigen Krieg zu sorgen reicht sie. Zumal der Plot für eine gewisse Abwechslung sorgt: Mal ist man mitten im feindlichen Gebiet, in einer Stadt auf Helghan unterwegs, dann in einer Wüstensiedlung. Sogar auf die Raumschiffe der Invasionstruppe verschlägt es den Spieler, denn die Helghast rüsten irgendwann zum Gegenschlag und wollen die Angreifer vernichten. Anders ausgedrückt: Es gibt viel zu tun. Freilich ist man selten alleine unterwegs: Oft bekommt man Unterstützung von den eigenen Kameraden, welche den Widersachern ebenfalls den Gar ausmachen möchten. Manches Mal darf man auch in ein Fahrzeug steigen. Einmal sogar in ein Exoskelett. Eines, das haben die Missionen aber allesamt gemein: Sie sind ausgesprochen düster, weit entfernt von der recht bunten Optik eines Halo. Egal ob man sich durch zerstöre Straßen oder wirre Gebäudekomplexe kämpft – stets hat man das Gefühl, wirklich in Mitten eines Krieges zu sein.

Es spielt keine Rolle, wo man sich gerade befindet: Der Feind wartet immer mit einer Übermacht auf. Aber so ist das nun mal auf fremden Planeten, die erobert werden wollen. Und das ist auch gut so, denn wenn Killzone 2 etwas richtig macht, so ist es die Tatsache, dass der Spieler keine Minute Ruhe findet. Es ist ein äußerst bedrückendes Gefühl, wenn hunderte feindliche Soldaten auf eine just eingenommene Stellung stürmen und man selbst am Rande der Munitionsknappheit steht. Wenn die eigenen Mannen aus allen Rohren feuern, Explosionen den Boden zum Beben bringen, Gebäudebrocken durch die Luft wirbeln und Scharfschützen jeden Deckungsfehler ausnutzen, um ein weiteres Leben auszulöschen. Wenn dann auch noch dichter Qualm die Sicht verdeckt, so ist es um das Herz des Spielers wahrlich geschehen – den Entwicklern ist es gelungen, eine düstere Atmosphäre gekonnt mit einer unfassbaren Intensität zu verknüpfen. Da verzeiht man gerne, dass die Story an sich recht flach ausgefallen ist. Da verzeiht man auch, dass die verschiedenen Charaktere nur oberflächlich erscheinen, kaum Tiefgang bieten. Und man verzeiht, dass der Protagonist in keiner Weise näher beleuchtet wird. Wobei dies vielleicht seine guten Seiten hat, denn so fühlt man sich in der Tat, wie ein einfacher Soldat. Zugegeben ein Soldat, der aber auch wirklich immer die miesen Jobs abbekommt und stets die Drecksarbeit erledigen muss.

Es darf sich natürlich die Frage gestellt werden, ob Killzone 2 denn wirklich imposante Augenblicke bietet. Natürlich ist es ein berauschendes Gefühl, so eine Stellung zu halten oder in einem Gebäude einen Kampf aus engstem Raum auszufechten. Doch gibt es auch jene Momente, die man nur mit offenem Mund bestaunen kann? Eine durchaus berechtigte Frage. Eine Frage, die wir mit einem klaren „Ja“ beantworten können. Ja, es gibt diese Momente. Wenn ganze Gebäude durch die Sprengkraft einer wohl platzierten Bombe in sich zusammenfallen oder eine sicher geglaubte Brücke urplötzlich von feindlichen Soldaten überrannt wird, so stockt einem gerne mal der Atem. Eine der Szenen, die wohl am stärksten in Erinnerung bleiben wird, ist jener Moment, in dem das Raumschiff der eigenen Truppen mit gewaltiger Wucht auf dem Planeten einschlägt. Auch wenn dem Spieler mal wieder ein Flammenwerfer in die Hand fällt, geht es ordentlich rund. Wir wollen an dieser Stelle nicht zu viel verraten, doch seid gewiss, dass nicht nur der Flammenwerfer eine beeindruckende Waffe ist.
Ein ganz besonderes Lob gilt auch der künstlichen Intelligenz. Die Helghast sind wahrlich kein schlechtes Kanonenfutter, denn sie wehren sich mit aller Macht. Kommt es hart auf hart, so suchen sie hinter allen möglichen Gegenständen Deckung, versuchen den Spieler stets in die Enge zu treiben und mit immer neuen Angriffswellen den Widerstand zu brechen. Einen gut verschanzten Gegner auszuschalten, dazu bedarf es einer gewissen Übung, gerade wenn ein Kamerad des Selbigen auf die Idee kommt, Sperrfeuer zu liefern. Insgesamt ist zu sagen, dass hier wirklich Herzblut in die Entwicklung geflossen ist, denn die Figuren verhalten sich so, wie man es von ihnen erwarten darf: Intelligent. Auch die eigenen Mannen sind recht helle Köpfchen. Eine dermaßen umfangreiche künstliche Intelligenz hat allerdings an manchen Stellen auch ihre Aussetzer. So kommt es, wenn auch selten, hin und wieder vor, dass einfach mal die nächstbeste Wand begutachtet wird. Jedoch fallen diese Momente noch wesentlich seltener auf, als sie tatsächlich vorkommen, denn oft ist man einfach vom Schlachtgetümmel viel zu sehr abgelenkt, als dass man Augen für andere Dinge hätte. Bei all den vielen Details, welche das Spiel zu bieten hat, ist dies jedoch nur wenig verwunderlich.
Autor: Michael Hoss (mbh)
Erstellt am: 18. März 2009, 12:34 CET