Von oben nach unten
Die Geschichte von Oben hangelt sich an der des Films entlang und diesen sollte man auch gesehen haben, sonst steht man im Spiel nämlich erstmal ratlos da. Die Story wird derart oberflächlich angetastet, dass man gar nicht weiß, warum der alte Mann mit einem jungen Dickerchen durch den Urwald stolpert. Und warum werden sie von sprechenden Hunden angegriffen? Wie kommen sie vom Urwald in den Zeppelin? Was für ein Zeppelin überhaupt? Diese Fragen stellt man sich durchgängig, denn die kleinen, relativ nett anzusehenden Filmchen, verraten leider zu wenig, um folgen zu können. Hat man jedoch den Film gesehen, so ist natürlich alles klar. Das ist dann allerdings eher ein verdienst des Filmes und nicht des Spiels.

Hier gehts rein in den Dschungel.
Das Spiel präsentiert sich dann als klassisches Action-Adventure, auch wenn das Wort Action hier eigentlich fehl am Platze ist, denn die bekommt man selten geboten. Man rennt einfach durch den Dschungel und überwindet Abgründe oder erklimmt kleinere Felsvorsprünge. Das geht alles sehr locker von der Hand, doch leider etwas zu locker, denn der Schwierigkeitsgrad ist leider zu einfach ausgefallen - selbst für ein Spiel das sich an eine junge Zielgruppe richtet. Um neben dem - auf Dauer etwas öden - Lauf-und-Hüpf-Orgien Abwechslung zu bieten, haben die beiden Charaktere noch zusätzliche Fähigkeiten. Carl kann dabei mit seinem Stock manche Felsen zum Einsturz bringen und so den Weg frei machen. Zudem springt er etwas höher und kann, oben (Ha ha!) angekommen, Russel nach oben ziehen. Russel wiederum kann an engen Vorsprüngen entlang gehen und so wiederum Plätze erreichen, zu denen er dann Carl mittels Seil hochzieht. Leider sind auch diese Aufgaben viel zu simpel gestrickt und vor allem streng linear aufgebaut, sodass der Spielspaß in engen Grenzen bleibt. Zeit, Spaß zu empfinden, hat man ohnehin kaum, denn selbst wer sich Zeit lässt, sollte den Abspann spätestens nach 5 Stunden sehen.
Als Feinde befinden sich Spinnen, Wespen, Fledermäuse, Stachelschweine und Hunde im Dschungel. Auch hier wird einem nicht viel Abwechslung geboten. Die Spinnen und Wespen kann man dabei noch durch Schlagen erledigen, die Fledermäuse und Stachelschweine hingegen sind immun gegen unsere Attacken und bei Berührung verletzten sich nur unsere zwei Helden. So bleibt es hier bei langweiligem Ausweichen. Die Hunde werden auf eine sehr simple, wie auch langweilige Art und Weise erledigt: durch drücken eines Buttons! Wenn sie auf einen zugerannt kommen wird einem angezeigt, das der richtige Zeitpunkt zum Drücken gekommen ist und nach 2 bis 3 mal Drücken verziehen sich die Viecher. Besser sieht es auch bei den zwei Zwischengegnern, einer Schlange und einem Krokodil, nicht aus, denn diese sind ebenso einfach erledigt. Das Kampfsystem verdient diesen Namen also eigentlich gar nicht, da es meist nur um das bloße Abwehren geht. Es ist zwar klar, dass das Spiel auf eine junge Zielgruppe zugeschnitten ist, aber an dieser Stelle ist man eindeutig zu weit gegangen, denn selbst ein 6 Jähriger ist in der Lage mehr als einen Knopf zu betätigen.

Über Abgründe hangeln gehört zu dem geringen Repertoire des Spiels.
Kommen wir noch zu den Gimmicks, die in einem "Spiel zum Film" nicht fehlen dürfen. In Oben musst ihr Taler einsammeln um dafür, bei Erreichen bestimmter Taleranzahl, Aufgabenkarten zu erhalten. Darauf steht dann zum Beispiel, dass ihr 20 grüne Käfer, 10 tote Schmetterlinge und ein bestimmtes Artefakt sammeln müsst. Die Käfer und Schmetterlinge sind dabei ausgewogen in den Level verteilt, sodass euch diese Aufgaben auch nicht vor große Probleme stellen sollten. Als Belohnung warten dann Konzeptgrafiken und Multiplayerboni. Wie bei allen Spielen ist das zwar eine nette Dreingabe und es verlockt schon alle Aufgabenkarten zu absolvieren, etwas Besonderes ist das allerdings nicht mehr.
Grafisch wie auch tontechnisch wird man enttäuscht. Im Gegensatz zu Genrekollegen warten hier keine Filmszenen in schicker Rendergrafik, sondern triste Ingamesequenzen. Das wäre ja zu verschmerzen, wenn die Grafik mehr als nur zweckmäßig wäre. Es sieht nicht schlecht aus, aber gut kann man das Gebotene dann auch nicht nennen. Zudem rennt man fast nur durch den Dschungel, was auf Dauer leider nicht für Motivation sorgt. Die letzten Level im Zeppelin sind da schon fast ein Segen, aber auch nur fast, denn hier wirkt alles ein wenig trist.
Bei den Sprechern leistet man sich keine groben Schnitzer, aber feine. So wiederholen sich die eingesprochenen Sätze zu schnell und teilweise wirken sie auch deplatziert. Dafür ist die musikalische Untermalung einigermaßen gelungen.

Sachelschweine kann man nicht bekämpfen, schade eigentlich.
Oben bekleckert sich nicht gerade mit Ruhm, zumindest nicht das Spiel. Es ist zu einfach, zu monoton, zu schlicht. Und diese Faktoren sind in Kombination leider nur schwer (er)tragbar. Selbst wenn man den Bonus, dass es sich um eine Filmversoftung handelt, mit einbezieht, bekommt der Spieler allenfalls Durchschnittskost. Jüngere Spieler mögen kurzfristig ihren Spaß haben, doch auch die sind nach den 5 Stunden Spielzeit bereits am Ende angelangt.
Autor: Simon Furkert (sf)
Erstellt am: 25. September 2009, 10:58 CEST