Neues Speedlimit: 70 Level!
Tolle Sache sowas: "Schreib ein Review zu Burning Crusade" hiess es - und das ausgerechnet in dem Monat, in dem ich endlich so weit war, mein World of Warcraft-Abonnement zu kündigen. Wohlan - also weitere 30 Euro investiert, das Addon nicht mit eingerechnet, und meine Level 60 Priesterin mit den letzten Tier2-Setitems aus "Blackwing Lair" ausgerüstet, damit es sich in Outland nicht all zu ungeschützt aufleveln lässt.

In Shattrath in der Mitte der Stadt zu bewundern: Eines der Lichtwesen, genannt "Naaru".
Daß ein Review geschrieben werden muss, ist an sich ja kein Problem, doch bei der vor einem Monat erschienenen Erweiterung World of Warcraft: The Burning Crusade stellen sich selbst dem erfahrensten Spielejournalisten selten anzutreffende Probleme gegenüber: Für wen schreibe ich das Review? Von welchem Wissenstand kann ich ausgehen? Werde ich entweder Anfänger mit zuvielen Fachbegriffen verscheuchen oder werden mir absolute WoW-Experten im Forum aufgrund von Inkompetenz die Rübe ausreissen? Und wann ist der richtige Zeitpunkt? Reicht ein Monat Spielzeit, um die vollen Auswirkungen der Erweiterung wirklich erfassen zu können?
Fragen über Fragen und die Antworten lauten: Für unsere Leser, woher soll ich das Wissen, möglicherweise, wahrscheinlich, eigentlich nie und wohl nein - böse Blicke aus der Chefredaktion zwingen mich aber dazu, hier etwas weiter auszuformulieren: Daß World of Warcraft ein kommerzieller Erfolg ist, gehört zu den inzwischen üblichen Bekanntheiten wie die Tatsache, daß Electronic Arts fast jedes erfolgreiche Spiel zu einem jährlichen Unterfangen wie seine Sportspiele ausbaut. Zahlen wie die monatlichen Profite in zweistelliger Millionenhöhe zusammen mit ungefähr 8 Millionen Abonnenten werden auch gerne in den Raum geworfen, um die schieren Ausmaße des Phänomens World of Warcraft in Worte zu fassen.
Mit der Erweiterung steht jedoch eine nicht kleine Gruppe von WoW-Spielern vor dem Scheideweg: Vielen ist das sehr repetitive Gameplay des sehr zugänglichen MMORPG ein Dorn im Auge und haben bisher keinen richtigen Grund gefunden, sich vom dem Suchtpotential des Titels befreien zu können. Zu dicht waren soziale Verflechtungen in Gilden und mit Freunden, als daß man "einfach so" hätte aufhören können. Doch nun, wo viele Spieler die gemeinsamen Gildenaktivitäten zugunsten des Auflevelns von 60 auf 70 aufgegeben haben, hält viele nichts mehr im Spiel, was viele kleinere und mittlere Gilden in ihrer Existenz bedrohen wird.

Das Chaos bricht über den Spieler herein, sobald er durch's dunkle Portal schreitet...
Wer sich vom tagaus und tagein immergleichen Gameplay im Gruppenspiel sowohl gegen andere menschliche Spieler (PVP) als auch gegen die von Blizzard geschaffenen Bedrohungen (Raids, bzw. PVE) nicht hat zurückschrecken lassen, für den wird die Erweiterung ein Pflichtkauf, da sich ohne diese die neuen Features wie eben jene Anhebung des Levellimits nicht werden nutzen lassen können. Bleiben also Neueinsteiger und Unentschlossene, welche noch von den Worten des Autors in ihrer Kaufentscheidung beeinflusst werden können.
Was sollte also überdrüssige Spieler weiterhin dazu bewegen, Blizzard monatlich die ~12 Euro vom Konto abbuchen zu lassen? Die Featureliste erfasst dabei nur unzureichend die Auswirkungen der Änderungen im Spiel und an der Balance zwischen den Fraktionen Allianz und Horde: Beide erhalten eine neue Rasse, die Draenei auf Seiten der Allianz, Blutelfen auf Seiten der Horde, welche mit Paladin und Schamane bisher unzugängliche Klassen den Fraktionen zur Verfügung stellen. Die dadurch schon inflationär anzutreffenden Schamanen im Startbereich der Draenei, respektive die unüberschaubare Masse an Blutelfen-Paladinen, zeigen das Interesse der bisher fast schon religiös nur ihre Fraktion spielenden WoWler an jener bisher "verbotenen" Klasse, an denen auch so manche Gilde höchstes Interesse hat, sie in ihre Raidgruppen integrieren zu können (und diese damit auch in Rekordzeit auf die Einsatzbereitschaft mit Level 60, bzw. Level 70 zu bringen).
Autor: Patrick Heyer (ph)
Erstellt am: 24. Februar 2007, 16:19 CET