Ohne Worte, eine Herausforderung
Der kleine Roboter Josef wird auf seinem Heimatplaneten auf einem Schrottplatz entsorgt. Schnell hat er sich – dank des Spieler – wieder zusammengesetzt und Josef wie Spieler fragen sich, warum er denn plötzlich zum Altmetall gehören sollte. Er funktioniert noch tadellos, nur offenbar scheint er weitere Erinnerungslücken zu haben. Bruchstückhafte Erinnerungsfetzen deuten darauf hin, dass er eine Freundin hatte. Was ist bloß mit ihr passiert? Und so beginnt der Spieler die Maschinenwelt mit Josef zu ergründen. Im Laufe des Spiels gilt es nicht nur seine Roboterliebe wieder zu finden, sondern auch einen Bombenanschlag einer gemeinen Verbrecherbande auf den Bürgermeister der Stadt der Roboter zu vereiteln.

Erstmal in der Stadt, beginnt das Spiel richtig.
Machinarium stammt von den Machern der bekannten Internet-Flash-Spiele Samorost 1 und 2. Auch wenn man es Machinarium auf den ersten Blick nicht ansieht, es ist ebenfalls komplett in Flash programmiert. Die Bedienung des kleinen Roboters funktioniert tadellos einfach mit der Maus. Mehr als die linke Maustaste wird zum Spielen nicht gebraucht. Josef schluckt (wortwörtlich) alles in sein Inventar was nicht niet- und nagelfest ist und kann zudem seine Größe jederzeit anpassen, was für einige Rätsel und Wege entscheidend ist. Etwas penibel genau, wahrscheinlich durch das Flash-Gerüst geschuldet, nimmt es das Spiel leider mit der Interaktion von Gegenständen. Diese müssen im Inventar genau wieder an die Stelle zurückgelegt werden, wenn man sie nicht richtig einzusetzen weiß. Auch ist es oftmals so, dass man erst direkt zu dem Punkt hin laufen muss, bevor man einen Gegenstand damit benutzen will. Dafür schleppt man aber auch nie mehr als ein halbes Dutzend Gegenstände im Bauch herum.

Hier gibt es noch einiges zu tun.
Die Anzahl der Gegenstände soll nicht darüber hinweg täuschen, dass Machinarium ein einfaches Spiel sein könnte. Rätsel und Gegenstände werden in den meisten Fällen zwar direkt in dem gerade befindlichen Bild eingelöst. Nur im späteren Verlauf muss man auch mal zwischen zwei bis drei Standorten pendeln. Das mag sich überschaubar anhören, jedoch schafft es das Spiel, noch jede Menge wirklich harter Rästel-Kopfnüsse anzubieten. Jederzeit ist man sich darüber im klaren, was man als nächstes zu tun hat und woran es hapert. Die Lösungswege sind dabei stets logisch und nachvollziehbar. Darüber hinaus gibt es für jedes Rätsel ein zweistufiges Hilfesystem. Mit Klick auf ein Glühbirnen-Symbol gibt Josef in einer Gedankenblase einen leichten Hinweis zur Lösungsrichtung an. Wer dann immer noch nicht weiter weiß, hat dann noch die Möglichkeit beim Buch-Symbol des Rätsels Lösung per Karikaturen-Zeichnung darstellen zu lassen. Das Lösungsbuch ist vorher noch durch ein einfaches Mini-Spiel zu öffnen, was vorschnelles Aufgeben an den Rätseln vermeiden soll. Hierzu muss ein Schlüssel in Side-Scroller-Manier, gesteuert über die Tastatur, an Hindernissen vorbei zum Schlüsselloch geführt werden. Aber trotz der Hilfestellungen bleibt Machinarium in seiner Gesamtheit weiterhin ein fordernder Rätselbrocken.

Auch das Spiel gilt es zu gewinnen, um ein weiteres Rätsel zu lösen.
Überhaupt sorgt Machianrium durch einige Mini-Spiele für einige Abwechslung im Rätsel-Alltag. So gilt es nicht nur Gegenstände miteinander zu kombinieren, sondern zum Beispiel auch eine Partie "Fünf-Gewinnt" (Variante von "Vier-Gewinnt") zu gewinnen oder diverse andere verzwickte Schalter- und/oder Logikrätsel zu meistern. Diese sind vom gleichen äußerst knackigen Rätsel-Kaliber, passen aber perfekt in die Welt, könnten aber auch für einigen Frust sorgen. Gerade das „Fünf-Gewinnt“-Spiel zu lösen, weil man den Gewinn für das weiterkommen benötigt, sorgt für zahlreiche graue Zellen. Der Computer spielt sehr gut bis perfekt und sehr vorausschauend. Ein Überspringen der Minispiele ist nicht möglich; gefährlich, da weniger frust-resistente Spieler, vielleicht schon früh aufgeben könnten, weil das Spiel sonst nicht voran geht. Später wird man auch mit einer Runde „Space Invaders“ oder einem originellem Pixel-Labyrinth-Shooter belohnt, die zwar spielerisch weitaus weniger anspruchsvoll sind, aber aufgrund der charmanten Idee und Umsetzung einfach nur ein Lächeln auf die Lippen des Spielers zaubern lässt.
Wie eingangs erwähnt, basiert das gesamte Spiel auf einer Flash-Engine. Dies ist jedoch kein Nachteil. Es gibt zahlreiche kleine Animationen in der wunderschön gezeichneten Welt des Roboterplaneten. Alles wirkt stimmungsvoll und glaubhaft. Die Hintergrundgrafiken sind ein Kunstwerk für sich. Gerade die kleinen liebevollen, etwas hilflos wirkenden, Animationen der Roboter sorgen immer mal wieder für richtige Schmunzler und man wartet gespannt auf weitere Animations-Gags. Auf dem ganzen Planeten (und im gesamten Spiel) wird übrigens nicht gesprochen. Machinarium kommt komplett ohne Sprachausgabe und auch ohne Text aus. Kommunikation erfolgt hier nur durch Gestik und durch die sehr comichaften Gedankenblasen der Blechmänner und -frauen. Aber auch dadurch bekommt das Spiel eine weitere visuell starke Note, die zu Gefallen weiß. Man vermisst die – mitunter aus anderen Spielen bekannten - geschwätzigen Konversationen überhaupt nicht.

Über die Gedankenblasen wird im Spiel kommuniziert.
Musikalisch fährt der Entwickler eine sehr elektrisch angehauchte Sammlung auf, welches für jeden Standort mit eigenen Musikstücken aufwartet, die Stimmung der Roboterwelt aber gut einfängt. Da diese Stücke, neben einigen wenigen Soundeffekten, die einzige Audio-Wiedergabe im Spiel ist, achtet man natürlich besonders darauf. Machinarium erzielt durch seine verträumte Hintergrundmusik ein weiteres Atmosphären-plus, welches die dargestellte Szenerie angenehm untermalt und die melancholische Grundstimmung gut unterstützt. Diese Stücke liegen dem Spiel übrigens auch extra als Audio-CD bei. Ebenso enthalten ist neben einem Poster auch das inoffizielle Vorgängerspiel der tschechischen Entwickler, Samorost 2.
Autor: Timo Bock (tb)
Erstellt am: 08. November 2009, 18:15 CET