Kreatives Chile
Wenn gigantische Budgets in Spiele fließen, so erwarten Publisher immer gigantische Verkäufe. Meist wird viel Wert auf Grafik und Action gelegt, die Story kommt oft zu kurz und Innovationen bleiben auf der Strecke. Was aber, wenn man den Spieß umdreht? Mit wenig Geld für viel Action, eine gute Story und ein wenig Innovation sorgt? Diese Frage stellen sich zur Zeit die Entwickler von Zeno Clash, welches zum Schnäppchenpreis über Steam erhältlich ist.

In Chile reifte dieses Spiel heran, ehemalige Modder haben es auf die Beine gestellt und wollen nun die Welt der Spiele auf dem Kopf stehen lassen. Mit fantasievollen Figuren und einer Geschichte, die bis zum Schluss offen bleibt, möchte man die Käufer überzeugen. Kommen wir also zu erst auf die Geschichte zu Sprechen: Es geht um Ghat, einen Bewohner von Halstedom. Oder besser gesagt: Einen ehemaligen Bewohner, denn Ghat muss fliehen, da er Vater-Mutter, das Wesen, welches alle Bewohner des Ortes zur Welt gebracht und großgezogen hat, umgebracht hat. Begleitet wird Ghat von Deadra, seiner Weggefährtin. Warum und wie er Vater-Mutter ermordet hat, wird zu Beginn des Spiels nicht klar. Das „Wie“ klärt sich recht bald, doch das Warum ist der eigentliche Dreh- und Angelpunkt der Story. Das Geheimnis haben die Entwickler tatsächlich bis zur finalen Sequenz für sich behalten und schaffen es, fast jedem Spieler eine packende Überraschung zu bieten – mehr wollen wir an dieser Stelle jedoch nicht verraten. Den Hauptteil der Geschichte verbringt man jedoch mit der Flucht, denn natürlich soll der feige Mord gerächt werden. Ghats Schwestern und Brüder wollen Blut sehen. Sein Blut.
Natürlich versucht Deadra immer wieder Ghat darauf anzusprechen, warum er die schreckliche Tat vollbrachte, doch Ghat wehrt ab und will den Grund nicht offen darlegen. Stattdessen erzählt er immer wieder von den Momenten, welche zu seinem Kampf mit dem Wesen führten. Diese Erzählungen darf der Spieler ebenfalls spielen. Auf diese Weise erlebt man in gewisser Weise zwei Geschichten und erhält immer mehr Hintergrundinformationen, kann sich also herleiten, wie es zu all den grausamen Geschehnissen kam.

Bereits in unserer Vorschau gingen wir auf das ungewöhnliche Kampfsystem von Zeno Clash ein. Damals wirkte das Ganze zwar noch nicht perfekt, hatte aber eine ganze Menge an Potenzial, welches nur noch genutzt werden musste. Und die Entwickler haben dieses Potenzial in der Tat genutzt. Um das Kampfsystem zu erklären, muss man es in zwei verschiedene Kategorien unterteilen: Waffenloser Kampf und Kampf mit Waffen. Zieht man gänzlich ohne Schuss- oder Schlagwaffen in die Schlacht, so gilt es, den Gegner ordentlich zu vermöbeln. Meist ist dies sogar sinnvoller, als Hilfsmittel zur Hand zu nehmen, da man mit den Fäusten und Füßen wesentlich agiler ist. Mit leichten Schlägen traktiert man den Gegner, um ihm dann mit dem Ellenbogen so richtig die Zähne aus der Visage zu schütteln. Aber auch an das Ausweichen, sowie das Kontern sollte man denken. Zwar prügelt man sich im Spielverlauf so oft, dass mancher Skeptiker annehmen könnte, dass es auf Dauer doch langweilig werden würde, Tatsache ist jedoch, dass dies nicht der Fall ist. Auf Grund der vielen taktischen Möglichkeiten kommt so schnell kein Bedarf nach Abwechslung auf. Zumal die Prügeleinlagen wunderbar in Szene gesetzt sind – sowohl optisch, als auch von der Klangkulisse her. Man möchte meinen, ein Knochenbruch könne kaum schmerzhafter klingen.
Der Kampf mit Waffen stellt ein ganz eigenes Kapitel dar. Bei extrem starken Gegnern benötigt man eine schwere Schlagwaffe, denn von einem Kinnhaken bekommen diese Bestien selten auch nur einen Kratzer. Im Prinzip funktioniert der Kampf genau wie die Boxeinlagen, doch ist man mit einem Holzprügel oder einem Stahlhammer wesentlich schwerfälliger unterwegs. Ein Schlag dauert, bis er ausgeführt ist, eine halbe Ewigkeit – ist dafür jedoch umso wuchtiger. Gegen flinke Feinde ist diese Art des Kampfes dennoch nicht zu empfehlen, da man Waffen relativ schnell verliert, wenn man erst einmal von mehreren Seiten angegriffen wird. Und das Aufstehen kostet Zeit. Zeit, die wichtig ist, da manch fieser Bursche auch mal nachtritt. Dies sollte man im Übrigen selbst auch tun. Zwar mag dies nicht fair sein, dafür jedoch effektiv. Wobei dies nicht immer geht, denn nicht immer kämpft man gegen ebenbürtige Kontrahenten. Des Öfteren gilt es auch Wesen aus dem Tierreich zu erlegen. Sei es nun ein Kaninchen, um Essen für die Nacht zu haben oder aber ein angriffslustiger Krebs: Es wimmelt in der Welt von Zeno Clash nur so vor Kreaturen, welche zur Strecke gebracht werden wollen.
Autor: Michael Hoss (mbh)
Erstellt am: 23. April 2009, 14:43 CEST