Alea iacta est
Der Deutschen Lieblingssport ist nach wie vor Fußball. Aber seien wir mal ehrlich, so richtigen Körpereinsatz gibt es da nicht. „Schwerste“ Verletzungen werden mit ein wenig Eisspray geheilt und im Training wird simuliertes Fallen trainiert. Beim American Football haben die Spieler wenigstens die Ambitionen, den Gegner mit dem eigenen Körper zu stoppen und am besten zu Fall zu bringen. Doch im Vergleich zu Blood Bowl ist selbst American Football ein Mädchensport. Ist das Auge des Gesetzes ... äh... Schiedsrichters mal abgelenkt, dann wird auch noch mal beherzt auf den Boden liegenden Spieler nachgetreten. Schließlich kann ein Verletzter - oder besser noch Toter Spieler den eigenen Sieg nicht gefährden.

Auf Basis, des im Jahr 1987 erschienen Brettspiels Blood Bowl, von Games Workshop, setzt auch die Computerumsetzung auf. Alle im Warhammer-Universium besiedelten Völker tragen ihre Streitigkeiten nicht nur auf dem offenen Schlachtfeld aus, sondern nehmen diese auch mit auf die in Arenen abgesteckten Spielfelder. Diese sind zwar nicht mit einzelnen Yards versehen, wie beim American Football, aber weisen auch die sogenannten Endzonen und die Line of Scrimmage auf. Ziel beider Manschaften mit jeweils 11 Spieler (zumindest zu Beginn eines Spieles) ist es, den Ball in die gegnerische Endzone zu bringen, um dort einen Touchdown zu erzielen. Das Team, mit den meisten Touchdowns am Ende der zweiten Halbzeit, kann sich über einen Sieg freuen und auf baldige Genesung hoffen.

Mit versteckten Hieb und Stichwaffen betreten die Spieler das Feld. Äußerlich meist wie aus dem Ei gepellt, unterscheiden sich die Spieler eher durch innere Werte. Vier verschiedene Attribute (Stärke, Geschicklichkeit, Bewegungsweite und Rüstungswert) und eine Vielzahl an unterschiedlichen Fähigkeiten sind bei der Taktikwahl zu beachten. Jeder Zug muss auf dem schachbrettähnlichem Spielfeld wohl durchdacht werden, denn ein gescheiterter Versuch hat einen sogenannten „Turnover“ zufolge und der Gegner ist dann schlagartig am Zug. Turnover können z.B. dann eintreten, wenn man einen Spieler über seine „Bewegungsweite“ hinaus laufen lässt und Pech mit dem Würfel hat. Häufiger kommt es aber vor, dass man seinen Spieler durch die Tacklezone eines Gegners bewegen muss und dem Verteidiger, auf Grund eines zu niedrigen „Geschicklichkeits“-Wurf, nicht ausweichen kann. Oder man vermasselt einen Block-Wurf und legt anstelle seines Gegners sich selbst auf die Nase. Ohne eingetretenen Turnover kann jeder der 11 Feldspieler einmal gezogen werden, bevor der Gegner an der Reihe ist.

Nicht nur die Attribute und die Fähigkeiten sind bei der Taktikwahl zu beachten, sondern auch die gewählte Rasse, denn die 8 vorhanden Rassen bevorzugen unterschiedliche Spielstiele. Mit den zerbrechlichen Waldelfen auf körperliche Konfrontation aus zu sein, wird nicht von Erfolg gekrönt werden. Stattdessen suchen sie die Lücken in der gegnerischen Verteidigung und liefern einen astreinen Pass ab. Im Gegenzug versuchen die Orks mit roher Gewalt alles vom Platz zu dreschen – lieber Tod als Verletzt. Die Goblins profitieren von den Erweiterungen, die man vor Spielgeschehen kaufen kann. Neben Wandersanitätern und Wiederholungswürfen können auch Bestechungen gekauft werden. Bedingt durch ihre Körpergröße sind sie nämlich nicht in der Lage, weite Wege zu laufen oder auf körperliche Kraft zu setzen, daher setzen sie auf Betrug und Verwendung von spitzen Gegenständen, die man dem Gegner im Vorbeigehen in die Rippen rammen kann. Und dank einer großzügigen Spende übersieht der Schiedsrichter schon mal die ein oder andere Messerspitze.

In Blood Bowl gibt es zwei unterschiedliche Spielmodi. Den klassischen Spielmodi, welcher auf dem Regelwerk der 5. Edition des Blood Bowl-Brettspiels basiert, und dem Blitzmodus. Während der klassische Spielmodi über 8 Rundenzüge pro Halbzeit abläuft, ist der Blitzmodus ein in Echtzeit berechnetes Spiel. Man kann direkt auf Aktionen des Gegners reagieren – zumindest in der Theorie. Denn häufig lassen sich die Spieler einfach nicht zu einer Bewegung aufmuntern und schauen einfach hinterher, wenn ein Gegner durch die eigene Tacklezone läuft. Hier zeigt die KI einige Schwächen, während sie im klassischen Modus ohne großartige Fehl und Tadel ihr Dasein pflegt.
Nicht nur das Regelwerk wurde von der Brettspiel-Variante von Blood Bowl übernommen, sondern auch ein weiteres Detail: Die Geselligkeit. Während man sich bei der Brettspiel-Variante mit Freunden und Bekannten in einer Wohnung trifft, freilich mit Spielbrett und den angemalten Zinnpüppchen, wurde der Computerumsetzung ein umfangreicher Multiplayer Modus spendiert. Neben schnellen Spielen in beiden Spielmodi, kann die Herausforderung in öffentlichen und privaten Ligen gesucht werden. Mit der eigens erstellten Mannschaft können Ranglisten Spiele bestritten werden. Alternativ kann man während der Meisterschaft in den 4 Divisionen aufsteigen. Wer sich als Ligen-Vorsitzender berufen fühlt, der kann auch eigene Ligen eröffnen.

Technisch liefert das Cyanide Studio durchschnittliche Hausmannskost. Die Steuerung ist einfach gehalten. Im Prinzip werden nur die beiden Maustasten gebraucht. Links-Klick zum selektieren eines Spielers, Rechts-Klick um eine Aktion auszuführen. Die Grafik reicht aus, um die Figuren, das Spielfeld und die Arena darzustellen. Dazu braucht es keine Highend-Grafik. Wünschenswert wäre es gewesen, wenn sich die einzelnen Spieler einer Klasse nicht nur durch die kreativen Namen und Attribute unterscheiden würden, sondern auch äußerlich. So muss man zum Teil schon mal ein paar Spieler durchklicken, bevor man den gewünschten Spieler mit der benötigten Sonderfertigkeit gefunden hat. Der Soundtrack des Spieles erinnerte uns stark an die Battlefield-Hymne und die Kommentatoren haben einiges mit den Kollegen der FIFA-Reihe gemein. Zwar schmunzelt man über den ein oder anderen Kommentar, auch wenn er nicht zum Spielgeschehen passt, aber irgendwann ist der Pool an dummen Sprüchen auch aufgebraucht und man sieht sich mit Wiederholungen konfrontiert.
Autor: Stefan Siepmann
Erstellt am: 02. August 2009, 22:21 CEST