Krimidemmi in Manhattan
"In New York Citys immerwährendem Kampf gegen das Verbrechen wird die Unterwelt der Metropole von der Major Case Squad, der Abteilung für Kapitalverbrechen, gejagt. Dies sind ihre aufregendsten Geschichten." Mit diesem Satz beginnt jede Folge der US-Erfolgsserie Criminal Intent. Der Ableger der ebenfalls erfolgreichen US-Serie Law & Order bekommt nun ebenfalls ein passendes Adventure spendiert, das den Spieler in die Haut von Det. Robert Goren versetzt. Wenn die Fälle auch noch aus den Federn von einigen Autoren der Serie sind, kann doch eigentlich nichts mehr schiefgehen, oder?

Beweise sind nicht immer leicht zu entdecken
Mord ist Sport. Dieses mehr oder weniger bekannte Sprichwort könnte in New York seinen Ursprung haben. So ist es nicht verwunderlich, dass man bei dem Spiel zur Serie Criminal Intent mit gleich drei Mordfällen begrüßt wird, die in beliebiger Reihenfolge gelöst werden können und scheinbar irgendwie zusammenhängen. Sind die Morde aufgeklärt, erwartet den fleißigen Ermittler auch gleich ein vierter Fall. Als stressgeplagter Detective des Masor Case Squad hat man es nicht leicht.
Morde soweit das Auge reicht
Welcher Fall darf es zuerst sein? Eine angespülte Leiche im am Ufer eines Flusses? Ein erschlagener Geschäftsmann in seinem Haus oder doch lieber eine tote Frau mit einem Kissen auf ihrem Gesicht? Egal für welchen Mord man sich als erstes entscheidet, bleibt dem Spieler jederzeit die Möglichkeit offen, zwischendurch den Fall zu wechseln, welches einen gewissen Spielfluss ermöglicht, sollte man einmal nicht weiterkommen. Bei den Fällen geht es im Wesentlichen darum, oft unscheinbar wirkende Indizien zu sammeln, Zeugen zu befragen und kleinere Kombinationsätsel zu lösen. Nach und nach entdeckt man neue Örtlichkeiten und kreist durch das Erstellen eines Täterprofils den Verdächtigenkreis immer weiter ein. Das klingt alles eigentlich interessant und spannend, doch leider steckt der Teufel nicht nur im Detail.
Für alle Fälle

Durch das Täterprofil wird der Verdächtigenkreis verkleinert
Dem Spieler stehen beim Lösen der Fälle mehrere Abteilungen hilfreich zur Seite. Das Kriminallabor untersucht gefundene Beweise auf Fingerabdrücke, das Ermittlungsbüro deckt Hintergründe über Personen und Indizien auf und die Überwachungseinheit liefert dem Spieler teilweise wichtige Hinweise über den Tagesablauf von Zeugen und Verdächtigen und sorgt somit bei Zeugenbefragungen und Verhören für genügend Gesprächsstoff. Sowieso sind die Dialoge das Schmuckstück des Spiels. Wie man bei Befragungen vorgeht, beeinflusst die Kooperationsbereitschaft des Zeugen. So ist es nicht ratsam, Eltern, die gerade ihre Tochter verloren haben, angriffslustig über deren vergangenen Probleme zu befragen. Hier hilft beispielsweise ein mitfühlendes Vorgehen, das kombiniert mit Komplimenten zu den gewünschten Ergebnissen führen kann. Hat man es sich mit den Zeugen verscherzt, reagieren diese kindisch eingeschnappt und weigern sich, das Gespräch für eine gewisse Zeit fortzuführen, was manchmal ein wenig nervig sein kann. Interessant ist jedoch die Zeugenbefragung allemal, da man spielend sehr viel über Verhörtaktiken lernt.
Gesteuert wird das Spiel mit dem nützlichen PDA des Detectives. Dieser dient als Inventar und speichert viele nützliche Informationen, die dem Spieler im Laufe der Ermittlungen begegnen.
Robert´s Echte
Fans der Serie werden zufrieden zur Kenntnis nehmen, dass man den Serienhelden Robert Goren persönlich steuern kann und nicht, wie bei anderen Spielen zu Krimi-Serien, einen unbekannten Ermittler, der lediglich zum bekannten Team der Serie dazustößt. Auch andere Figuren aus Criminal Intent sind mit von der Partie. So trifft man gleich zu Beginn im Intro Captain James Deakins, der die verschiedenen Fälle vorstellt und sich in Zwischensequenzen mit Robert Goren über die laufenden Ermittlungen unterhält. Bei ihm können auch Anträge für ein Zeugenschutzprogramm oder Hausdurchsuchungsbefehle beantragt werden.
Leugnen Sie ihre Schwächen nicht, Zeuge

Leicht zu übersehen: Unter der Fliese versteckt sich ein Hinweis
Jedoch stimmt wie eingangs erwähnt bei diesem Titel auch vieles nicht. Denn das Wort Abwechslung scheint Criminal Intent unbekannt zu sein. So sind die einzelnen Fälle auf dem Papier sehr interessant, was an dem erfahrenen Drehbuchautor liegen dürfte. Doch was nützt das beste Drehbuch, wenn das Spiel eine ähnlich langsame Dynamik wie eine Schildkröte nach einem erholsamen Sonnenbad an den Tag legt?
Die Aufgabe des Spielers besteht im Wesentlichen darin, die Tatorte nach kleinsten Beweisen abzusuchen und in das Täterprofil einzutragen. Der Rest wie Zeugenbefragungen oder das Entdecken neuer Örtlichkeiten bis zu der Aufklärung des Mordes ergibt sich fast wie von selbst, als würde man - eine Fernsehserie schauen. Lediglich ein paar eingestreute Kombinationsrätsel brechen diesen Spielablauf auf, ohne jedoch die inhaltlichen Schwächen ausreichend kompensieren zu können. Wenn zu der eigenwilligen Spieldynamik auch noch Bugs und logische Fehler dazustoßen, kann das Spiel nicht bedingungslos empfohlen werden. Irgendwie schadet es der Spielatmosphäre, wenn man einen Hausdurchsuchungsbefehl bekommt, obwohl das Täterprofil nur zu 15 % zutrifft. Andere Verdächtige, die zu 55 % in das Täterprofil passen, werden hingegen mit der Begründung, es gäbe für eine Durchsuchung keinen Grund, abgeschmettert.
Auch aus der technischen Sicht bekleckert sich der Titel nicht gerade mit Ruhm. So ist das Spiel nur in der Auflösung 800x600 spielbar und die Animationen der einzelen Figuren wirken doch manchmal wirklich recht hölzern. Das ist kein Wunder, da Criminal Intent bereits im November in den USA erschienen ist. Umso mehr verwundert es, dass die Wechsel der Örtlichkeiten manchmal mit relativ langen Wartezeiten verbunden sind, die auf Dauer negativ auf das Gemüt schlagen. Auch die musikalische Untermalung reißt wahrlich nicht gerade jeden vom Hocker. Die dezente Musik düdelt wahllos vor sich hin und vermag manchmal nach längeren Spielsphasen ein wenig zu nerven. Die Dialoge werden teilweise gelangweilt und monoton von unmotivierten Sprechern heruntergelesen. Ausnahme bildet hier der original deutsche Synchronsprecher des Robert Goren, der dem Spiel einiges der verloren gegangenen Atmosphäre rettend zurück gibt. Lobenswert ist auch, dass das Spiel komplett übersetzt an den deutschen Markt angepasst wurde. So erfreuen nicht nur deutsche Zeitungsartikel, sondern auch ein Kreuzworträtsel, das unter anderem nach einem kleinen weißen Eisbär im Berliner Zoo fragt.
Autor: Nils Hitzfeld (nh)
Erstellt am: 12. Juli 2007, 22:18 CEST