Die Akten öffnen sich
Vor fast zwei Jahren erschien mit Geheimakte Tunguska eines der besten Adventures der letzten Jahre. Wohlgemerkt, eins der besten „ernsthaften“ Adventures – im humoristischen Bereich zählen andere Titel zu den Genrekönigen. Doch wer eine mysteriöse Geschichte mit vielen Rätseln erleben wollte, der war bei diesem Spiel genau richtig. Und auch beim Nachfolger kann er wenig verkehrt machen, denn auch Geheimakte 2: Puritas Cordis kann schon jetzt getrost als ein großartiges Adventure durchgehen.

Einmal mehr schlüpft der Spieler an Ninas Seite. Diese wollte sich ursprünglich nach dem letzten größeren Abenteuer ein wenig erholen. Eine Kreuzfahrt hätte es werden sollen, um sich von all dem Stress und Liebeskummer zu erholen. Doch wie der geneigte Spieler schon jetzt weiß, wurde aus der beschaulichen Reise recht wenig. Naturkatastrophen, Wissenschaftler und mysteriöse Prophezeiungen kommen dazwischen. Um nicht allzu viel über die Story zu verraten, geben wir an dieser Stelle einfach mal eine kurze Bewertung an: Manch einem mag sie gefallen, Anderen wieder nicht. Klingt komisch, ist aber so. Wer auf eine absolut realistische Story wert legt, der dürfte enttäuscht werden – wer auch etwas Abgedrehtheit vertragen kann, der wird mit der Geschichte von Puritas Cordis gut Freude haben.
Womit aber jeder Adventurefreund seinen Spaß haben wird, das sind definitiv die Rätsel. Diese wissen, wie man einen Spieler bei Laune hält und für ordentlich Unterhaltung sorgt – und genau das ist es, was zählt. Es gilt zum Beispiel übersetzte Gedichte zu studieren, um Schaltermechanismen wieder in Gang zu bringen. Das schöne ist, dass es nur klassische Rätsel gibt. Kombinieren oder das Hirn zur Logik anstrengen – mehr muss man nicht. Will heißen, dass die Kopfnüsse eigentlich nie abartig schwer werden oder gar unrealistisch anmuten. Besonders knifflig wird es übrigens, wenn man zwei Charaktere für des Rätsels Lösung benötigt. Dann muss man tatsächlich alle grauen Zellen im eigenen Kopf anstrengen.

Ebenfalls schön: Der Schwierigkeitsgrad der Rätseleinalgen. Muss man gerade am Anfang noch nicht allzu viel nachdenken, gilt es später durchaus auch mal außerhalb des Spiels (etwa auf der Arbeit oder in der Schule) über eine mögliche Lösung des Rätsels zu grübeln. Warum dies schön ist? Weil nicht viele Spiele es schaffen, auch außerhalb ihrer Laufzeit zum Nachdenken anzuregen. Puritas Cordis gelingt dies aber ohne Weiteres.
Wer trotz der ernsten Rätsel auf ein wenig Humor hofft, der wird ebenfalls nicht enttäuscht. War im Vorgänger der Witz ein wenig verloren gegangen, haben sich die Entwickler bei Geheimakte 2 wirklich Mühe gegeben. Eine gewisse Selbstveralberung tut dem Spiel durchaus gut und sorgt so für den ein oder anderen Lacher.

Dafür, dass die Lacher auch wirklich gut ankommen, dafür sorgt auch die wahrlich gut ausgefallene Sprachausgabe, die so manchen Konkurrenztitel im Regen stehen lässt. Zugegeben: Nicht alle Sprecher besitzen das gleiche Talent – doch der Großteil verstand sein Handwerk bei den Tonaufnahmen wirklich, sodass man alles Andere als Ohrenkrebs bekommen wird. Optisch hingegen hat sich seit dem Vorgänger wenig verändert. Noch immer wirken die Hintergründe ein wenig starr. Immerhin ist etwas mehr Bewegung mit im Spiel und auch wenn dies mal nicht der Fall ist: Die Hintergründe sehen, außer der strikten Unbelebtheit, wirklich toll aus. Außerdem läuft das Spiel so auch auf älteren Rechnern. Auch die 3D-Modelle der Charaktere sind ziemlich gut gemacht – schade nur, dass es bei den Animationen in Sachen Mimik noch immer ein wenig starr zur Sache geht.
Wer auf Abwechslung steht, der darf sich schon jetzt auf zahlreiche Schauplätze freuen. Von Paris bis in den Dschungel geht es – Vom Luxusliner über die Atlantikküste: Es wird einiges geboten, sodass als bald keine Langweile aufzukommen vermag.
Keine Frage: Geheimakte 2: Puritas Cordis ist eines der besten Adventures der letzten Jahre. Es hat seine Macken, ja – doch es vermag auch dann zu begeistern, wenn man gerade nicht am Spielen ist. Und wie bereits erwähnt: Das schaffen nicht viele Spiele. Warum hat es also nicht für eine höhere Wertung gereicht? Ganz einfach: Zwar gibt es wirklich sympathische Charaktere im Spiel, doch vermiesen Andere (Stichwort: David, ein Begleiter von Nina) teilweise jede Stimmung. Trotzdem sollten sich Genrefans diesen Titel auf gar keinen Fall entgehen lassen. Aber auch wer mit Rätselspiele nicht allzu viel anfangen kann, sollte vielleicht einen kleinen Blick riskieren. Es könnte sich lohnen.
Autor: Michael Hoss (mbh)
Erstellt am: 31. August 2008, 20:58 CEST