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Baja: Edge of Control

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eXp-Rating:6
Developer: 2XL Games
Publisher: THQ
Genre: Racing
Releasedate: 26.09.2008
Weitere Plattformen: ps3

Vom hässlichen Entlein

Publisher THQ zählt nun schon seit einiger Zeit zu den ganz großen Spielern im Geschäft. Da sollte es wohl nicht weiter verwundern, wenn versucht wird, in jedem Markt Fuß zu fassen. Das Rally-Genre wurde bisher durch Codemasters' Collin MCRae-Serie definiert. Da der Rennfahrer jedoch nicht mehr lebt, ist es ungewiss, wie die Zukunft der Spiele aussieht. Die richtige Zeit also für einen Frontalangriff?

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Zugegeben, es gibt genügend Ansatzpunkte, in denen sich Baja von DiRT unterscheidet – doch beide Spiele haben den Anspruch, ein simulationslastiges Rennspiel zu sein. Und beide setzen viel auf Off-Road-Rennen. Und so schließt sich der Kreis. Mehr oder weniger. So hetzt man also in Baja über Stock und Stein durch die verschiedensten Wüsten und Berglandschaften dieser Welt. Wobei man natürlich nicht die Alpen zu Gesicht bekommen wird. Das Spiel orientiert sich schließlich an der namensgebenden Rennserie „Baja“. Und so bekommt man zu großen Teilen eher triste Wüstenlandschaften und abgegraste Berge zu sehen.
In insgesamt sechs verschiedenen Rennmodi brettert man dann also über die Pisten, vom einfachen Rundkurs bis hin zur Besteigung eines Berges über eine ziemlich lange Ralley. Freilich werden auch verschiedene Fahrzeugklassen geboten, sodass allzu schnell keine Langweile aufkommen dürfte.

Das Stichwort lautet allerdings „dürfte“. Baja: Edge of Control könnte nämlich ein Mitglied in einer Gruppe von anonymen Menschen sein, die über ihre Probleme debattieren. Richtig. Das Spiel hat nicht nur ein Problem, sondern gleich einen ganzen Haufen davon. Stellen wir doch mal folgende Frage: Was erwartet man von einem Off-Road-Spiel? Richtig. Eine halbwegs freiwählbare Strecke. Zumindest keine drakonischen Strafen, wenn man die Strecke mal verlässt. Und genau hier fangen die Probleme an. Kürzt man eine Kurve auch nur einen Millimeter zu viel ab, so wird man zurückgesetzt, was mächtig viel Zeit kostet. An und für sich wäre dies ein hinnehmbares Problem, würde es nur nicht so willkürlich auftauchen.
Manche Kurve kann man komplett auslassen – bei der Nächsten darf man gar nicht erst neben die Strecke kommen. Auf die Spitze treibt es das Spiel aber auf einigen ganz speziellen Strecken. Dort verläuft die Rennstrecke so, dass Hin- und Rückweg direkt nebeneinander liegen. Kommt man nun aus Versehen auf die Gegenfahrbahn, wird man automatisch zurückversetzt. Auch dies wäre eigentlich nicht das Problem. Eigentlich. Man könnte ja vermeiden, auf der Gegenfahrbahn zu landen.

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Ja. Das könnte man versuchen. Doch je nach fahrbarem Untersatz ist dies absolut unmöglich. Habt ihr schon vergessen? Edge of Control möchte eine Simulation sein. Und genau das ist es auch. Will heißen, dass so ziemlich jede Bodenwelle euer Fahrverhalten beeinflussen kann. Prescht man also mit einer hohen Geschwindigkeit über den – sehr holprigen – Untergrund, verliert man schon mal schnell die Kontrolle und rutscht ein wenig neben der Strecke her. Blöd, wenn das Spiel dann glaubt, man wolle abkürzen. Zumal, wie schon erwähnt, bei diesem „Feature“ eine gewisse Willkür vorhanden ist.
Doch die Probleme gehen weiter. Würde es das Spiel einem nicht so oder so schon schwer genug machen, ist die künstliche Intelligenz selbst auf der niedrigsten Stufe zu großen Teilen einfach nur bockschwer. Da freut man sich fast, wenn man endlich mal den vierten Platz macht. Gerade wenn die Strecke mit dem vorgegebenen Auto einfach nahezu unbefahrbar ist. Ärgerlich, wenn man dann sieht, wie mühelos die Gegner durchkommen.

Toll übrigens auch, dass es so zahlreiche Möglichkeiten gibt, das eigene Auto mit Updates aufzurüsten. Von hunderten Tuningteilen ist da die Rede, doch eine Wahl, welche man nun anbringt, hat man eigentlich nicht. Und ob die guten Stücke nun Auswirkungen haben, das wissen wir ehrlich gesagt nicht. Spüren konnte man es jedenfalls nicht. Ebensowenig wie die Auswirkungen des angepriesenen Schadensmodell. Ja, schön. Dann fliegt halt ein Teil der Karosserie weg – na und? Wo liegt das Problem? Das Auto fährt noch immer. Manchmal sogar besser. Wie? Die Achsen und Bremsen sind beschädigt? Warum fahre ich dann gerade an erster Stelle? Einzig und allein ein Motorschaden macht sich wirklich bemerkbar. Und bis es zu dem kommt, wären andere Wagen vermutlich schon längst auf dem Schrottplatz gelandet.
Die Idee mit all den Aufrüstungen und Schäden ist ja schön und gut, doch man wird das Gefühl nicht los, dass die Macher nicht so ganz wussten, wie sie es in ihr Spiel verpacken sollen. Zumal das Ganz, auf Grund der wirklich sehr gut umgesetzten Fahrphysik, mehr als unrealistisch bis hin zu lächerlich wirkt.

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Auf der technischen Seite präsentiert sich Baja: Edge of Control so, wie man es vom Rest des Spiels erwartet: Unausgegoren. Die Grafik ist langweilig, trist und nicht gerade schön. Es fehlen die Details, alles wirkt matschig. Sprich: Das Spiel ist, wenn man es hart sagen möchte, hässlich. Lediglich die Animationen der Stoßdämpfer, Achsen und Reifen können überzeugen. Zum Gesamtbild der Optik gesellen sich noch Ruckler und zahlreiche Clippingfehler dazu. Ähnlich sieht es beim Sound aus – die schwachbrüstigen Motoren wollen so gar nicht überzeugen und die Musik scheint nur im Hauptmenü vor sich hinzududeln. Von den spärlichen Effekten wollen wir lieber gar nicht erst schreiben.

Versteht uns nicht falsch: Baja: Edge of Control ist kein schlechtes Spiel in diesem Sinne. Es hat seine Hochpunkte, gerade im Hinblick auf die Fahrphysik – doch wirkt der Titel wie das hässliche Entlein. Nur hat es den Schritt zum Schwan irgendwie nie geschafft. Zu viele Probleme plagen das Spiel, sodass nur echte Hardcore-Simulationsjunkies mit viel Glück auf ihre Kosten kommen werden. Vielleicht nehmen sich die Entwickler die Kritik für einen möglichen Nachfolger ja zu Herzen.

Autor: Michael Hoss (mbh)
Erstellt am: 16. Oktober 2008, 12:15 CEST

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